Manuskripte

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Woche vom 08.06.2008 bis 14.06.2008




Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Sonntag, 08. Juni 2008     [Druckversion]

Ich will keine Opfer, ich will Liebe! Diese deutlichen Worte stehen in der Bibel, bei den Propheten Hosea und Amos. Gott spricht sie zum Volk Israel. Ich will nicht, daß ihr mir Opfer bringt, sondern daß ihr mich liebt. Mir kommen da sofort Fragen: Was hat Gott gegen Opfer? Und: Kann man Liebe fordern? Die muß doch schließlich frei geschehen.
Opfer spielen in den meisten Religionen eine Rolle. Man bringt der Gottheit Früchte dar oder Tiere, etwas vom Ertrag der Arbeit. Sogar Menschen hat man geopfert.
Generell waren mit religiösen Opfern vor allem zwei Gedanken verbunden Zum einen wollte man der Gottheit danken für die Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und Pflanze. Zum anderen hatten Opfer häufig den Zweck, die Gottheit zu besänftigen. Menschen fühlten sich schuldig und haben dann Tiere oder Erntegaben auf dem Altar verbrannt. So wollten sie Sühne leisten und die Gottheit wieder gnädig stimmen. Dahinter stand der Gedanke: Gott ist mir gut, ist mir wieder gut, wenn ich ihm zu Ehren etwas zerstöre, das mir kostbar ist.
Die Propheten Amos und Hosea machen deutlich: Unser Gott, der Gott, an den wir glauben, will das nicht. Er hat keine Freude daran, wenn wir die guten Gaben seiner Schöpfung zerstören oder wenn wir Tiere oder sogar Menschen töten. Wenn wir etwas vernichten, das uns vielleicht lieb und kostbar ist. Er will mit uns ein Verhältnis der Liebe haben.
Unter Menschen kaufen wir uns ja auch manchmal mit Sachen frei, z.B. mit einem Geschenk. Und dabei geht es eigentlich darum, persönlich auf den andern zuzugehen. Mich selber einzubringen.
Hosea und Amos leben in einer Zeit großer sozialer Unterschiede. Deshalb fordert dieser Satz: Liebe will ich, nicht Opfer, auch zur Nächstenliebe auf. Nicht die verehren Gott besonders, die ihm viele Opfer bringen, sondern, die die Arme unterstützen, Machtlosen zu ihrem Recht verhelfen, Kranke besuchen oder versorgen.
Amos und Hosea verkündigen einen Gott, den man nicht besänftigen muß und nicht bestechen kann. Er hat keine Freude daran, wenn Menschen sich kasteien. Kapiert es doch endlich, rufen beide Propheten ihren Landsleuten zu: Gott geht es um Beziehung, um Liebe, unter uns Menschen und zwischen ihm und uns. Per E-Mail empfehlen