Manuskripte

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Woche vom 23.03.2008 bis 29.03.2008




Dr. Peter Kottlorz

Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche

Abwesend anwesend

Montag, 24. März 2008     [Druckversion]

(zur Emmausgeschichte in LK 24, 13-35)

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche. Einen schönen guten Morgen!
Tag 3 nach der Kreuzigung Jesu. Zwei Jünger Jesu verlassen Jerusalem. Sie hauen ab. Wollen den Ort der Katastrophe verlassen, sich in Sicherheit bringen im 23 Kilometer entfernten Dorf Emmaus. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf einen Mann, der anscheinend nicht viel von den Ereignissen in Jerusalem mitbekommen hat. Ihm erzählen sie vom dramatischen Geschehen, auch von Berichten über die Auferstehung ihres geliebten Meisters, die sie nicht wirklich glauben. Der Mann spürt wie sehr sie durch den Wind sind, er begleitet sie und seine Nähe tut ihnen so gut, dass sie ihn bitten bei ihnen zu übernachten. Als sie mit ihm zu Abend essen und er das Brot bricht, erkennen sie ihn, Jesus den Auferstandenen. Und wie sie ihn erkannt haben ist er auch schon verschwunden.
Diese Geschichte wird heute in den katholischen Kirchen gelesen. Was ist da passiert? Frag’ ich mich als Normalsterblicher, dem so etwas noch nicht passiert ist. Kann ich daran glauben, dass ein Mensch, der gerade noch im Grab gelegen hat, jetzt seine Freunde begleitet, mit ihnen redet, isst und trinkt?
Kann ich schon. Wenn ich daran glaube, dass dieser Mensch ganz Mensch und ganz Gott ist, dann dürfte es auch kein Problem für ihn sein die Naturgesetze außer Kraft zu setzen und zwischen Leben und Tod hin und her zu wandern.
Muss er aber nicht. Es gibt noch einen anderen Erklärungsversuch.
Kann es nicht sein, dass es den beiden Jüngern so ging wie es mir manchmal im Alltag auch geht? Nur tausendfach stärker und intensiver.
Auch mir geht es manchmal so, dass Menschen, die abwesend sind, manchmal viel anwesender, präsenter sind, als wie wenn sie da sind.
Weil ich mich, wenn sie da sind, einfach an sie gewöhnt habe und meine Wahrnehmung vielleicht durch den Alltag, das Gewohnte verstellt ist. Und dass ich sie, wenn sie weg sind und ich sie vermisse, noch viel deutlicher wahrnehme, viel tiefer, intensiver spüre wie sie sind und wer sie sind.
Und vielleicht ging es den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus ja ähnlich:
Der Tote wird durch Erinnerung, durch Sehnsucht und Liebe auf einmal lebendig. Wird in Zeichen, Gedanken und Gesten so lebendig in ihnen und zwischen ihnen, dass sie ihn sehen und erkennen können. Der schmerzlich abwesende Jesus wird anwesend. Und bleibt es. Bis heute!
Einen schönen Ostermontag wünsch ich Ihnen! Per E-Mail empfehlen


Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Ostern schafft Aussicht

Sonntag, 23. März 2008     [Druckversion]

Ostern ist wie ein Aussichtsturm. Ich mag das, wenn ich oben von einem Turm weit ins Land hinaus sehen kann zB vom Fernsehturm aus über Stuttgart. Mit Aussicht sieht alles ganz
anders aus als von unten, wenn man in den Häuserschluchten steckt.
Ostern ist für mich wie so ein Aussichtsturm über den Tod hinaus. Hinaus über die Enge
unserer Welt, in der ich mir oft vorkomme wie zwischen tiefen Häuserschluchten einer Großstadt. Wenn alle Hoffnung verstellt ist durch Nachrichten von Unrecht, Gewalt und Sterben. Wie
jetzt in Tibet.
Ich brauche diese Aussicht von Ostern. Auch wenn ich an meinen Vater denke. Der mag eigentlich nicht mehr. Und ich kann ihn gut verstehen. Für manche ist alt werden nicht mehr schön. Sterben können kommt ihnen dann vor wie eine Erlösung. Aber ist der Tod allein wirklich eine gute Aussicht, auf Dauer? Für mich nicht. Er macht doch das Leben und die Beziehungen zunichte. Ich brauche Aussicht auf Leben, über den Tod hinaus.
In den evangelischen Gottesdiensten wird heute ein Stück aus der Bibel gelesen. Das gibt Aussicht und lässt weit blicken.
Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, als Erster unter denen, die entschlafen sind. Denn wie durch "einen" Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch Jesus die Auferstehung der Toten.
Wie das gehen soll mit der Auferstehung, fragen Sie? Das weiß ich nicht genau. Von einem Aussichtsturm sieht man auch nicht alles. Hauptsache man sieht weiter als von unten. Hauptsache man bekommt Aussicht.
Ostern zeigt, dass der Tod nicht das Letzte nicht. Dass man nicht am Grab eines Menschen stehen muss ohne Hoffnung.
Ostern gibt Aussicht auf einen Freund. Auf Gott. Wir Todgeweihten haben in Gott einen
Freund, der uns erwartet. Er wird uns neu machen, wie wir noch nie gewesen sind. Zu ihm
kann man aufsehen. Der Tod ist für uns das Ende, aber er ist auch ein neuer Anfang.
Mit Gott, unserem Freund.
Übrigens: Wenn ich von einem Aussichtsturm wieder unten bin, sehe ich die Welt unten auch anders als vorher. Denn dann weiß ich es gibt mehr als das, was ich jetzt gerade vor Augen habe. Gott ist ein Freund des Lebens, auch vor dem Tod. Und das gibt immer wieder Mut,
nach guten Aussichten zu suchen, für jeden Menschen, im Heim genauso wie für die
Gewaltopfer in Tibet. In diesem Sinn, frohe Ostern. Per E-Mail empfehlen