Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Aktuelle Woche   Archiv

Woche vom 02.12.2007 bis 08.12.2007




Michael Broch

Von Michael Broch, Leonberg, Katholische Kirche

Besonders wachsam – Matthäus 24,37-44

Sonntag, 02. Dezember 2007     [Druckversion]

1. Adventssonntag im Lesejahr A

Einen schönen guten Morgen, ich bin Pfarrer Michael Broch aus Leonberg.

Sonnenfinsternis. Sterne kollidieren. Das Weltall gerät aus den Fugen. Könnte zu einem Sciencefiction-Film passen: „Die letzten Tage der Erde“. Nein. Von solchen schlimmen Ereignissen ist im Matthäus Evangelium die Rede. Der Text wird heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen. Und was soll das? Auch noch am ersten Adventssonntag, wo man eher vorweihnachtlich gestimmt ist.
Die Botschaft der Bibel rechnet damit, dass diese Welt einmal ihrem Ende entgegengeht. Auch Jesus spricht davon, aber – er droht nicht. Entgegen allen Unheilspropheten mit ihren Weltuntergangszenarien will er den Menschen nicht Angst und Schrecken einjagen, auch nicht die Lust am Untergang schüren. Im Gegenteil. Er macht seinen Zuhörern Mut: Seid wachsam! Haltet euch bereit!
Allerdings sagt Jesus auch: Wann das passiert, weiß niemand, das weiß allein Gott. Mag sein, aber das klingt schwammig. Was soll ich jetzt tun? – Ich möchte Sicherheit. Ich bin auch bereit für spannende Ereignisse, doch Fristen und Zeiten sollten eingehalten werden. Und warten möchte ich auch nicht endlos. Doch damit wird es nichts.
Die Bibel spricht hier Klartext: Gott lässt sich von niemandem seine Termine diktieren. Gleichzeitig ermutigt sie uns, mit Vertrauen diese Stunde Gottes zu erwarten. Und die Bibel betont: Was da geschieht, folgt keinem blinden Schicksal und keiner unabwendbaren Gesetzmäßigkeit. Wir sollen vielmehr zuversichtlich sein, dass am Ende von Zeit und Geschichte nichts kommt, was uns Angst machen will.
Die Bibel spricht sogar davon, dass uns am Ende ein menschliches Gesicht anschaut – Jesus und mit ihm ein unendlich liebender und menschenfreundlicher Gott. Und dass er alles vollenden wird. Was soviel heißt wie: Er macht alles gut und heil und neu. Eine wunderbare Perspektive, die aufatmen lässt und die zum Advent passt.
Ich verstehe diese Botschaft auch als Einladung: Wir sollen den Mut nicht verlieren und auch in schwierigen Zeiten beständig bleiben. Wir sollen uns nicht verführen und nicht verrückt machen lassen.
Was auch immer passiert – Jesu Botschaft will zu keiner Zeit drohen. Sie ist zu jeder Zeit Evangelium, und das heißt: Frohbotschaft. Frohe Botschaft, die aus Angst vor der Zukunft befreien möchte.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten ersten Adventssonntag. Per E-Mail empfehlen