Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Aktuelle Woche   Archiv

Woche vom 25.11.2007 bis 01.12.2007




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

wach sein und glauben

Sonntag, 25. November 2007     [Druckversion]

Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen….
Wacht, denn.ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt,… damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.


Ich kann sie nicht leiden, die Leute, die Weltuntergangsängste verbreiten.
Ich mag nicht, die von der Klimakatastrophe oder früher vom Atomkrieg reden, als sei das Ende der Welt nah. Die vom Terrorismus reden, als könne nur noch ein starker Mann helfen, der das Böse mit Gewalt ausrottet.
Immer wieder gab es und gibt es das. Auch im Christentum.
Aber auch ganz weltlich: Wie die Folgen des Klimawandels ausgemalt werden, hat manchmal etwas Apokalyptisches. Soll Angst machen.
Ich fürchte, wenn man zu sehr in die Angst getrieben wird, tut man nicht mehr, was geht. Man gerät in Panikstarre oder weicht den realen Gefahren aus, verdrängt sie oder redet sie schön.
Und das kann es ja auch nicht sein, dass wir Zukunftsgefahren abtun. Das kann ich auch nicht leiden und mach es trotzdem. „So schlimm wird es schon nicht werden.“ Höre ich mich reden.
Und andere: „Ich will Spaß haben, will was vom Leben haben. Nehmt so viel mit, wie ihr kriegen könnt.“

Wenn man sich so die Risiken der Zukunft weg oder schön redet, dann kann alles bleiben wie es ist, vor allem ich selbst.
Vor kurzem habe ich gelesen: Wir haben mehr Angst davor, unser Leben zu ändern, als vor den Gefahren, die unsere Lebensweise mit sich bringt. Und darum halten wir lieber die Angst vor den Risiken aus als etwas
zu ändern.

„Seid wach“,empfiehlt die Bibel. In dem Text, an den heute am Ewigkeitssonntag in den evang. Gottesdiensten erinnert wird. „Seid wach“, das versteh ich so: Werdet nicht panisch vor lauter Zukunftsangst, aber täuscht euch auch nicht mit Schönfärberei. Nehmt die Risiken des Klimawandels ernst, die Gefahren der Armut für die Welt. Haltet Augen und Herzen wach. Tut, was ihr könnt, auch wenn es euch fordert.
„Seid wach – und glaubt.“ Dieses Zweite finde ich genauso wichtig.
Glauben, grade wenn man Angst hat. Das gibt Mut, was zu tun.
Ich glaube: Gott lässt seine Schöpfung nicht untergehen. Aber das bedeutet nicht, dass alles so bleibt,
wie es ist. Im Gegenteil - so wie die Welt ist, kann sie nicht bleiben, wenn sie gut sein soll.
Und wir auch nicht.
Vielleicht bringen uns die Risiken sogar voran, wenn wir uns auf Gott zu bewegen.
Von ihm heißt es in der Bibel, dass er eine gute Welt schaffen wird, ohne Tränen, Schmerz und Tod.
Glauben und wach sein – auch in den Risiken des Klimawandels und tun was geht. Per E-Mail empfehlen