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Woche vom 22.07.2007 bis 28.07.2007




Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Sonntag, 22. Juli 2007     [Druckversion]

Wie nah hat sie Jesus gestanden? Immer neu liefert Maria Magdalena Stoff für Romane und Filme. Heute ist ihr Namenstag. Sie ist tatsächlich eine beeindruckende Frau, gerade auch dann, wenn man sich auf die ganz frühen Geschichten über sie beschränkt. Da hat sie z.B. einen ungewöhnlichen Namen: „Apostolin der Apostel“ heißt sie, die also, die den Aposteln die Botschaft von der Auferstehung Jesu gebracht hat. Und anfangs war es offenbar durchaus umstritten, wer unter den Aposteln die Nummer 1 sein sollte: Petrus oder – Maria Magdalena. Zumindest steht es so in den sogenannten apokryphen Evangelien, frühen christlichen Schriften, die aber nicht in die Bibel aufgenommen wurden.
Die Kirche hat viele Legenden über Maria Magdalena bewahrt. Darin tritt sie sehr entschlossen auf. Z.B. wird erzählt, daß sie das Todesurteil für Jesus nicht auf sich beruhen lässt, sondern die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht. „Maria von Magdala liebte unseren Herrn so sehr“, heißt es, „daß sie nach Rom aufbrach, um Pontius Pilatus vor dem Kaiser anzuklagen“ – und das hat sie dann auch mit Erfolg getan.
Später, so wird erzählt, kommt Maria Magdalena auf abenteuerlichen Wegen nach Südfrankreich. Sie erscheint der kinderlosen Frau des Stadtpräfekten von Marseille dreimal im Traum, und diese wird endlich Mutter. Der Präfekt ist noch immer nicht ganz überzeugt von ihrer Predigt und fährt nach Rom. Und da – man höre und staune - empfiehlt Petrus ihm, sich von Maria Magdalena taufen zu lassen.
Das Ende dieser alten Legende lautet: Maria Magdalena taufte nicht nur den Präfekten und sein Haus, sondern auch alle Bewohner der Stadt, groß wie klein. Sie baute Kirchen, verwaltete die Stadt und lehrte immer mehr Menschen. Dann ging sie in die Umgebung und predigte überall den Namen Christi.

Ich bin heute froh, dass eine wie Maria Magdalena zur frühen Kirche gehört. Eine Frau, die lieben konnte, denken und reden, kämpfen, planen und Strukturen prägen und dies ganz offensichtlich mit viel Charme. Mit all diesen Kräften in sich hat sie ein Stück ihres Leben mit Jesus gelebt und daraus auch nach seinem Tod und nach Ostern geschöpft. Für sich und für andere. Per E-Mail empfehlen