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Woche vom 08.04.2007 bis 14.04.2007




Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Montag, 09. April 2007     [Druckversion]

Ostern legt es nahe, über Auferstehung nachzudenken. Wie kommen Menschen überhaupt dazu, an eine Auferstehung der Toten zu glauben? Die Vorstellung, dass einmal alle verstorbenen Menschen zu neuem Leben auferstehen, das nicht mehr endet, diese Vorstellung gibt es ja nicht nur im Christentum. Sondern auch z.B. in China, Indien, Persien und Ägypten, im Islam und im Judentum. Schon vor mehr als 2000 Jahren treffen wir den Glauben, dass etwas im Menschen den Tod überdauert, oder dass jeder Mensch nach seinem Tod zu ganz neuem Leben erweckt wird.
Warum sonst schmücken wir Gräber mit Blumen und Lichtern? Das sind doch Zeichen neuen Lebens? Warum sonst besuchen heute noch in Ägypten Menschen die Gräber ihrer Toten und nehmen Speisen und Getränke mit, um mit ihren Toten zusammen ein Mahl zu halten?
Natürlich kann man sagen: die Menschen ertragen den Gedanken nicht, einmal ausgelöscht zu werden. Deshalb machen sie sich Vorstellungen von Weiterleben und neuem Leben. Aber kann der Wunsch allein diese urmenschliche Sehnsucht erklären, die heißt: „Ich will nicht vernichtet werden“, „Du, den ich liebe, du sollst nicht spurlos verschwinden“? Kann nicht der Wunsch, weiterzuleben, aus der Ahnung kommen, die besagt: der Tod ist eine Tatsache. Aber mein Leben, dein Leben kann damit nicht total am Ende sein?
Leider ist ja noch keiner zurückgekommen und hat uns berichtet, was nach dem Tod ist. Und die zum Teil faszinierenden Berichte von Menschen, die klinisch tot waren und wiederbelebt wurden, enthalten doch nur Erlebnisse von diesseits der Grenze.
Wie kommen also Menschen dazu, an die Auferstehung der Toten zu glauben? Zum Einen aus der Erfahrung: mein Leben soll, mein Leben kann nicht einfach nur eine Episode sein. Zum andern ist Auferstehungshoffnung immer verbunden mit dem Glauben an Gott, an Götter oder an göttliche Mächte. Das Leben - so empfinden die meisten Menschen - Leben kann keiner sich selbst holen oder festhalten. Es wird uns gegeben. Und wenn es uns einmal gegeben wird, kann es dann nicht auch wieder neu geschenkt werden? Per E-Mail empfehlen


Dr. Lucie Panzer

Von Dr. Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Sonntag, 08. April 2007     [Druckversion]

Jesus sagte zu Maria: „Halte mich nichtfest!...Aber geh zu meinen Brüdern und erzähl ihnen von mir. (Joh 20, 17)

Wenn man das Vergangene festhält, dann ist kein Platz für neues Leben
So verstehe ich die Ostergeschichte aus der Bibel, über die heute in den evangelischen Gottesdiensten gepredigt wird. Es ist die Geschichte einer Frau, die alles verloren hat. Sie hieß Maria, kam aus Magdala und war eine Anhängerin von Jesus. Sie hatte seine Verhaftung und Hinrichtung.erleben müssen. Am nächsten Tag ging sie an sein Grab, da wollte sie weinen. Um den Menchen weinen, den sie verloren hatte und um die Hoffnungen, die zerplatzt waren wie Seifenblasen. Aber als sie hinkommt, ist das Grab leer. Es scheint, dass gar nichts mehr übrig ist von dem, was war.
Da, erzählt die Bibel, fragt sie einer nach ihrem Kummer. Maria denkt, es wäre der Gärtner. Und sie fragt ihn, wo der Tote geblieben ist. Wenigstens den Toten will sie wiederhaben. Sie hat doch sonst nichts, woran sie sich festhalten kann.
Da spricht der Fremde sie an: „Maria!“ Den Tonfall kennt sie. So hat Jesus mit ihr geredet. Und auf einmal sieht sie Jesus vor sich. Der, um den sie weint. Er ist nicht tot. Er lebt. Gott hat ihm neues Leben gegeben. Und er zeigt ihr, wie es nun auch für sie weitergehen kann: „Halt mich nicht fest!“, sagt er. Man kann sich am tod nicht festhalten. Auch nicht an den traurigen Resten einer Beziehung, auch nicht an den Trümmern der Vergangenheit.
Das tut weh. Manchmal denkt man wohl, das ist nicht auszuhalten. Aber Jesus sagt zu Maria: Man kann nicht festhalten, was zu Ende gegangen ist. Und sie begreift: Der, den ich verloren habe – der ist ja bei mir und wird bei mir bleiben. Ich muss ihn nicht mehr um jeden Preis festhalten. Das was war, was wir miteinander hatten, ist ein Teil von mir geworden. Die guten Erfahrungen, die wir miteinander hatten: Das ist jetzt Teil meines Lebens. Wer einen lieben Menschen betrauert, der hat vielleicht schon erlebt, wie das ist. Und das gilt auch sonst. Wer mir geholfen hat und wer nicht, was ich falsch gemacht habe und was gut war – das wird Teil meiner Lebenserfahrung. Das kann und wird mit mir gehen und mir helfen – beim nächsten Mal.
Jesus schickt Maria zu seinen anderen Freunden. Denen wird sie erzählen, was sie soeben erlebt und begriffen hat. Und gemeinsam werden sie neu anfangen zu leben. Maria hat es gesehen und erlebt und sie spürt es: es gibt neues Leben, auch wenn alles zu Ende schien.
Ich wünsche Ihnen und mir zu Ostern solche Erfahrungen. Per E-Mail empfehlen