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Woche vom 18.03.2007 bis 24.03.2007




Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Sonntag, 18. März 2007     [Druckversion]

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. (Joh 6, 50)

Wer leben will, muss essen, keine Frage.
In unserem Land hat jeder und jede genug zu essen. Gott sei Dank. Trotzdem meinen viele Menschen, dass sie nicht genug Leben haben. Genug ist nicht genug, es müsste, es könnte doch vielleicht noch mehr geben: mehr Wohlstand, mehr Erfolg, mehr Genuss, mehr Möglichkeiten. Das Leben ist kurz, ich will doch soviel wie möglich davon haben und herausholen.
Aber: sich mehr nehmen bringt nicht mehr Leben. Wer zu viel isst, wird am Ende bloß dick und unbeweglich und dann erst recht unzufrieden. Und wer immer mehr Wohlstand erreichen will, immer mehr Möglichkeiten wahrnimmt, der hat Stress ohne Ende und wird nicht satt. Es ist immer nicht genug, weil es ja immer noch mehr sein könnte.
Was kann man tun, um wirklich satt zu werden? Lebenssatt? In den evangelischen Gottesdiensten ist heute davon die Rede, dass Jesus sich selber anbietet: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit." Viele meinen, Jesus hätte da von der Kommunion, vom Abendmahl geredet, denn da heißt es ja bis heute: "Dieses Brot ist mein Leib!"
So kann man Jesus sicher verstehen - aber ich glaube er meint noch mehr. Ich verstehe: Jesus ist gekommen, damit ich leben kann. Wenn mir die Kraft ausgeht, dann hilft er mir wieder auf die Beine. Wenn Menschen in ihrer Traurigkeit zu versinken drohen, dann können sie neue Lebensfreude finden.
Jesus hat gezeigt: Gott ist bei denen, die allein nicht mehr können. Er hält ihr Leben in der Hand. Bei ihm können sie geborgen bleiben, auch wenn das Leben zu Ende geht. Viele Menschen spüren das, bis heute. Ich denke an die alten Leute im Altersheim, die aufblühen und ruhig werden, wenn man ihnen etwas vorsingt oder ihnen "Der Herr ist mein Hirte" vorliest.
Jesus hat gezeigt, dass die Lebensfreude wächst, wenn Menschen miteinander und vor allem: füreinander leben. Wenn ich einen anderen trösten kann - dann macht mich das glücklich. Wenn ich einen Rat weiß für jemanden, der selber nicht mehr weiter weiß - dann macht mich das froh. Wenn ich einem anderen sein Leben ein bisschen leichter und heller machen kann - dann strahlt sein Lächeln zu mir her und ich kann mich freuen. In solchem Glück schmeckt man manchmal schon ein Stück von dem vollen Leben wie es im Himmel vielleicht mal sein wird.
Wer sich auf Jesus verlässt, findet Leben in Fülle – genug für immer. Vielleicht haben Sie das ja auch schon erlebt!? Per E-Mail empfehlen