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Woche vom 25.02.2007 bis 03.03.2007




Dr. Peter Kottlorz

Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche

Versuchungen ( Lukas 4,1-13)

Sonntag, 25. Februar 2007     [Druckversion]

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche, einen schönen guten Morgen!
Es ist eine filmreife Szene, die heute in den katholischen Gottesdiensten beschrieben wird: Der Teufel führt Jesus in Versuchung. Gut gegen Böse. Und der Teufel ist schlau und gibt alles.
Jesus war 40 Tage in der Wüste. Dort hat er gefastet um sich selbst und Gott nahe zu sein. Aber wo der Mensch sich näher kommt, da steht er auch immer wieder vor Abgründen. Die erste Herausforderung für Jesus ist der Hunger. Der Teufel ködert ihn mit seinen besonderen Fähigkeiten: „Wenn du der Sohn Gottes bist“, sagt er, „dann befiehl diesem Stein Brot zu werden.“ Jesus reagiert gelassen: „In der Schrift steht, der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“
Die zweite Herausforderung Jesu ist die Macht. Der Teufel führt ihn auf einen Berg und sagt: „All die Macht und Herrlichkeit dieser Erde will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ Auch hier bleibt Jesus ganz entspannt: „Allein vor dem Herrn, deinem Gott sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen“, sagt er.
Und weil der Teufel einfach nicht an Jesus rankommt, versucht er ihn zum dritten Mal. Ganz subtil, indem er das Gottvertrauen Jesu auf die Probe stellt. Auf einem der höchsten Punkte des Jerusalemer Tempels sagt der Teufel zu Jesus: „Stürz dich hier hinab. Wenn du der Sohn Gottes bist, dann wird er dich schon retten und seine Engel werden dich auf ihren Händen tragen.“ Jesus reagiert auch hier ganz ruhig und gelassen:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht auf die Probe stellen“, antwortet er dem Teufel.
Und was fang ich nun an mit dieser archaischen Geschichte zwischen Gut und Böse, zwischen Jesus und dem Teufel?
Jesus und damit dem christlichen Glauben geht es nicht um ein kaltes Hokuspokus, nicht um machtgeile Magie, sondern um Urmenschliches. Jesus als Gott-Mensch kennt den Menschen und ist selbst zutiefst menschlich dadurch dass er die Versuchungen des Lebens nicht nur kennt. Er hat sich auch mit ihnen auseinandergesetzt und widersteht ihnen:
Dem Hunger nach Materiellem durch Ausgleich mit Geistigem. Der Verführung zur Macht durch Ehrfurcht und Demut Gott gegenüber.
Und einer lebensgefährlichen Sorglosigkeit durch Respekt vor Gott und dem eigenen Leben.
Einen schönen Sonntag wünsche ich Ihnen! Per E-Mail empfehlen