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Woche vom 21.01.2007 bis 27.01.2007




Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Sonntag, 21. Januar 2007     [Druckversion]

„Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. Sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ (Joh 4,14)

Wenn Wasser eine Weile steht, verdunstet es. Oder es wird abgestanden und faulig. Dann kann man damit noch die Blumen gießen, trinken kann man es nicht mehr. Abgestandenes, fauliges Wasser macht einen krank.
Jesus hat gesagt, er hätte lebendiges Wasser für die Menschen. Wer das trinkt, der wird nie wieder durstig. Er hat damit den Glauben an Gott gemeint, wie er ihn vorgelebt und gepredigt hat. Wer Jesus glauben kann, verstehe ich also, der hat lebendiges Wasser. Der kriegt keinen Durst, der kann wachsen und gedeihen. Und wenn er verschwitzt ist und dreckig, weil das Leben oft ziemlich anstrengend ist, dann kann er trinken und sich waschen und wird wieder frisch.
Lebendiges Wasser: das ist ein schönes Bild für den Glauben, finde ich, auch deshalb, weil es mir sagt: Man darf ihn nicht stehen lassen, irgendwo in einer Wassertonne und aufheben für trockene Zeiten. Dann passiert das, was manchen mit ihrem Glauben von früher passiert: der war einem selbstverständlich und vertraut – und auf einmal, nach Jahren, wenn man ihn braucht: dann passt er nicht mehr. Dann trägt er nicht mehr. Entweder er ist verdunstet oder abgestanden. Und man kann das was da noch ist nicht mehr brauchen, weil das Leben anders geworden ist oder weil man sich selber verändert hat.
So geht es übrigens auch mit anderen Weltanschauungen und Ideen, glaube ich – man muss aufpassen, dass sie lebendig bleiben. Wer – wie ich – noch die Ideale der 68Jahre im Kopf und im Herzen hat, wird das merken, spätestens wenn die eigenen Kinder ein bisschen mitleidig von den Alt68gern reden.
Der Glaube, den man von Jesus lernen kann, der wird nicht alt und abgestanden. Ich muss mich also nicht mit den Einsichten von vor 30 Jahren begnügen. Denn Gott geht mit, wenn sich mein Leben verändert. Jesus hat gesagt: „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“ Und er hat den Menschen gezeigt: Gott ist da, wenn man ihn braucht. Er tröstet die Traurigen, er gibt den Müden wieder Kraft. Er bringt den Enttäuschten neue Begeisterung. Er sagt den Bedenkenlosen: So geht’s nicht. Er weiß Rat für die Ratlosen. Er sagt den Gescheiterten: Steh auf. Gott wird mit dir gehen und dich stützen.
Das ist eine Quelle des Lebens und man kann daraus anderen abgeben. Per E-Mail empfehlen