Manuskripte

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Woche vom 24.12.2006 bis 30.12.2006




Dr. Lucie Panzer

Von Dr. Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

„und das Land wird voll sein von Erkenntnis des Herrn“ (Jes 11,9)

Dienstag, 26. Dezember 2006     [Druckversion]

Wenn alle an Gott glauben – an den richtigen Gott, an meinen Gott – dann kommt die Welt in Ordnung. Dann werden alle tun, was recht ist. Keiner wird den anderen übers Ohr hauen oder einem anderen schaden. Dann wird Frieden auf Erden sein und das Leben gut für alle. Es gibt Menschen, die sich das so vorstellen. Und manche versuchen mit allen Mitteln, ihren Glauben durchzusetzen. Damit die Welt in Ordnung kommt.
Jesaja, ein jüdischer Prophet, hat das schon vor fast 3000 Jahren anders gesehen. Heute, am 2. Weihnachtsfeiertag wird in den evangelischen Gottesdiensten daran erinnert. Jesaja, der im Namen und im Auftrag Gottes redete, der sagt: es ist gerade umgekehrt. Wenn einmal die Welt ist, wie sie sein soll – wenn die Starken nicht mehr die Schwachen übervorteilen, wenn nicht mehr die einen auf Kosten der anderen leben – dann erst werden die Menschen an Gott glauben, der die Schwachen liebt. Wenn also Frieden auf Erden ist, vollkommener Frieden: Dann wird das Land voll sein von Erkenntnis Gottes, so heißt das in den Worten der Bibel. Dann wird nämlich niemand mehr fragen müssen: wie kann Gott das zulassen? Dann muss niemand mehr sagen: Ich merke nichts von Gott und seiner Güte, das sind doch alles nur Hirngespinste. Wenn die Welt in Ordnung ist, dann ist der Glaube an Gott selbstverständlich.
Jesaja hat das angekündigt für eine ferne Zeit, in der Gott selbst die Welt erneuern wird. Aber er sagt auch: Es fängt an, wo ein Mensch neue, ungewöhnliche und ungeahnte Wege zum Frieden zeigt. Ein Mann der zeigt, was Gerechtigkeit ist und wie gut das Leben wird Wo Menschen sich um Gerechtigkeit für alle bemühen: Da fängt dieser Traum an. Und am Ende, irgendwann, wird der Friede vollkommen sein. Dann werden sogar die wilden Tiere friedlich sein, die Löwen zärtlich zu den Lämmern. Und überall auf der Erde werden die Menschen Gott erkennen und glauben.
Sie haben recht, wenn Sie jetzt sagen: aber das ist doch ein frommer Traum. Aber wir Christen glauben, dass Jesus dieser Mann ist, der gezeigt hat, wie Frieden werden kann. Und wie gut das Leben wird, wo Menschen barmherzig miteinander umgehen und sich um Gerechtigkeit bemühen.
Wenn jetzt nach den Feiertagen der Alltag wieder anfängt: vielleicht sollten wir uns wieder neu bemühen, es auf seinem Weg zu versuchen? Damit die Leute um uns herum spüren können, wie schön das Leben sein kann und dass Gott es gut mit ihnen meint. Damit sie glauben und hoffen können: einmal wird Gott Frieden schaffen für die ganze Welt. Per E-Mail empfehlen


Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Montag, 25. Dezember 2006     [Druckversion]

Wer Menschen begegnet, begegnet Gott. Das ist, sehr kurz gefasst, die Botschaft von Weihnachten. Wer Menschen begegnet, begegnet Gott Der Glaube, dass Gott in Jesus aus Nazareth ein Mensch geworden ist, ist ein Geschenk des Christentums an alle suchenden Menschen. Jesus nicht nur als ein beispielhafter Mensch, schon das ist sehr viel. Sondern auch als eine lebendige Botschaft Gottes. Und diese Botschaft geht weit über Jesus selber hinaus und lautet: Gott ist im Menschen zu finden. Es gibt also auch keinen Weg zu Gott an den Menschen vorbei. Wer Gott begegnen will, trifft auf Menschen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Alte.
Weihnachten ist nicht nur Fest der Geburt des Kindes. Seit Jesus von Nazareth finden wir Gottes Züge im Gesicht des Neugeborenen wie des Sterbenden.
Schwierig ist dabei, dass wir mit Menschen längst nicht nur gute Erfahrungen machen. Wenn ich auch in den gar nicht so Netten Gott begegnen soll, dann macht mir das schon Probleme.
Menschen sind eben nicht nur gut; sie können einander – wie wir manchmal sagen – zu Teufeln werden. Sie können Gott verdunkeln und entstellen und regelrecht verbergen. Ohne es zu wollen.
Auf der andern Seite: Menschen sind auch gut. Sie können einander auch zu Engeln werde, Boten Gottes. Und da fällt es leichter, zu sagen: Wer Menschen begegnet, begegnet Gott. „Je tiefer Gott sich selbst enthüllt, desto tiefer hüllt er sich in den Menschen hinein“, hat ein Theologe gesagt. Gott hüllt sich in die Menschen – wie in ein buntes und schönes und auch fleckiges und löchriges Tuch. Wir können ihn wohl finden in all unseren Erfahrungen mit Menschen, mit den andern und mit uns selbst. Auch in jede und jeden von uns hüllt sich Gott, um sich zu enthüllen, um sich zu zeigen.
Das gibt Würde, unabhängig davon, wie gut ich bin und wie schön.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Nähe des verhüllten und enthüllten Gottes tröstlich spüren können, dass Sie ihm auch auf dem Weg über viele Fragen weiter nachspüren, in sich, bei andern und mit anderen. Und so wünsche ich Ihnen gesegnete Weihnachten. Per E-Mail empfehlen


Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Reporterfrage: Was halten Sie von JX ?

Sonntag, 24. Dezember 2006     [Druckversion]

4. Advent
Joh 1, 19-23


19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden zu ihm sandten Priester und Leviten von Jerusalem, dass sie ihn fragten: Wer bist du?... 23 Er sprach: »Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!«, wie der Prophet Jesaja gesagt hat (Jesaja 40,3).. Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen über den Marktplatz Ihrer Stadt, da kommt ein Reporter, hält Ihnen ein Mikrofon hin und fragt Sie: „Was halten Sie von Jesus Christus? Was bedeutet er für Sie?“ Was würden Sie machen? Ausweichen? „Ich muss ganz schnell noch ..“ Oder würden Sie sich auf die Frage einlassen? Eine Antwort versuchen? Vielleicht: „Jesus, der ist Gottes Sohn, das glaub ich.“ Oder: „Für mich war er schon ein besonderer Mensch, aber naiv war er. Er dachte, er könnte es mit den Römern aufnehmen und dafür haben sie ihn gekreuzigt.“ Oder: „Jesus, der ist lange tot.“ Oder „Jesus, ohne den gäbe es keine Kirche und keine Christen – obwohl er selber Jude war.“ Oder würde Ihre Antwort ganz anders aussehen?
In der Bibel wird eine Geschichte erzählt, da wird auch einer zu seinem Verhältnis zu Jesus gefragt. Allerdings wird er nicht harmlos interviewt, Johannes der Täufer wird befragt, fast schon verhört, im Auftrag der höchsten Religionsbehörde, weil man Gefahr wittert: Bist Du der Messias? „Nein“, sagt Johannes. Ich bin sein Vorläufer, ich bin sein Wegbereiter. Ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhbänder löse.
Zwei Dinge finde ich an dieser Antwort spannend:
Zum einen: Johannes ist um eine Antwort nicht verlegen: Er druckst nicht rum. Er spürt, mit Jesus kommt der Messias, der endgültige Gesandte Gottes. Mit ihm tritt Gott uns Menschen ganz besonders nah.
Und das zweite finde ich noch interessanter. Mit seiner Antwort gibt Johannes nicht nur Auskunft über Jesus, sondern er gibt damit zugleich Auskunft über sich selbst. Er sagt, wer er selbst ist, als er sagt, wie er zu Jesus steht. Ich bin sein „Vorläufer“. Sein „Wegbereiter“. Er gibt keine Wissensantwort, sondern eine persönliche Beziehungsantwort. Ein Kind würde ja auch nicht sagen, „das ist die Frau XY“, sondern „das ist meine Mama.“ So antwortet auch Johannes: „Jesus ist der Gesandte Gottes und ich bin sein Wegbereiter.“
Ich hab mal gelesen: Ein Christ oder eine Christin ist nicht jemand der dies oder das denkt, für wahr hält oder tut. Christ ist jemand, der auf die Frage wer Jesus Christus ist, Antwort gibt mit seinem Leben, also mit Leib, Seele und Verstand.
Was würden Sie dem Reporter auf dem Marktplatz antworten? Per E-Mail empfehlen