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Pfarrer Joachim Sohn

Von Pfarrer Joachim Sohn, Altkatholische Kirche

„Auf Reisen“

Samstag, 06. Februar 2016     [Druckversion]

Für die meisten von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ist heute wahrscheinlich ein Tag ohne große Termine. Ein freier Tag. Auch mein Kalender gibt mir kein großes Pensum vor. So ist viel Zeit, etwas zu unternehmen, das sonst zu kurz kommt. Ich gehe gerne mit meiner Familie und unserem Hund auf eine große Wanderung. Oder ich mache Musik. Manchmal baue ich auch an meiner Modelleisenbahn.

Am liebsten gehe ich jedoch auf Reisen. Nicht mit dem Auto, nicht mit dem Zug. Und doch weit weg. In Gedanken.

So habe ich Winnetou und Old Shatterhand auf ihren Abenteuern im Wilden Westen begleitet. In Island bin ich mit Professor Lidenbrock zum Mittelpunkt der Erde aufgebrochen. Einmal habe ich sogar mit Robinson Crusoe Freitag gefunden.

Sie haben es längst bemerkt, ich nehme mir ein Buch und bin mit den Figuren unterwegs auf Reisen. Von zu Hause aus, in der warmen Stube. Oft geht es mir sogar so, dass ich alles um mich herum vergesse, /// manchmal muss ich mich wieder orientieren, und erst feststellen, dass ich zu Hause bin.

Meine ganze Familie liest gern und oft ist jeder in einem andern Zimmer. Meine Frau sagt dann auf die Frage, warum mein Sohn oder meine Tochter mir nicht antworten: Er oder sie ist gerade in Hogwarts, bei Harry Potter oder mit Bastian Balthasar Bux und Atreju in Phantasien.

Das Schöne bei diesen Reisen in Büchern ist, dass jeder etwas anderes erlebt. Wenn neben mir jemand das gleiche Buch liest, erlebt er seine Reise ganz anders. Und auch meine eigene Reise kann ganz anders verlaufen, wenn ich das Buch wieder einmal lese.

Als Pfarrer gehe ich natürlich oft auf biblische Reisen. Ja, auch das klappt. So war ich mit Mose unterwegs durch die Wüste auf dem Weg ins gelobte Land, wollte mit Petrus drei Hütten bauen auf dem Berg Tabor. Ich war in Jerusalem bei der Gerichtsverhandlung gegen Jesus. Da ist mir fast das Blut in den Adern gefroren, als plötzlich alle „Kreuzige ihn“ schrieen.

Ich nehme mir heute wieder die Zeit und gehe auf eine Reise. Wohin sie mich führt, weiß ich jetzt noch nicht, aber ich bin schon sehr gespannt.

Und wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, heute arbeiten müssen, dann wünsche ich Ihnen, dass Sie nach der Arbeit Zeit finden für sich. Und vielleicht gehen Sie ja auch noch auf eine Reise.

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