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Pfarrer Joachim Sohn

Von Pfarrer Joachim Sohn, Altkatholische Kirche

„Verwandlung“

Freitag, 05. Februar 2016     [Druckversion]

Manchmal erleben wir Menschen, wie wir uns verwandeln. Plötzlich sehen wir Dinge anders, als noch Minuten zuvor. So eine Verwandlung habe ich auch an mir selbst erlebt.

Vor knapp zwei Wochen am Sonntagmorgen waren in Furtwangen über Nacht 30 cm Schnee gefallen, so dass fast 1 m Schnee lag. Mein Sohn und ich haben uns an die Arbeit gemacht und die 30 cm Neuschnee weggeschippt (und weggefräst.) Schließlich mussten wir den Weg zur Kirche und zum Gottesdienst begehbar machen. Über eine Stunde waren wir beschäftigt und hinterher ordentlich k.o.

Wenn viel Schnee liegt, macht sich das auch in der Zahl der Gottesdienstteilnehmer bemerkbar: Viele Gemeindemitglieder müssen erstmal selbst ihre Wege räumen oder kommen nicht weg, bevor der Schneepflug durch gefahren ist. So ist an diesem Sonntag nur eine einzige Frau zum Gottesdienst gekommen. Ich habe mich da bei dem Gedanken ertappt, ob sie nicht auch hätte zu Hause bleiben können. Der Gottesdienst wäre einfach ausgefallen, schließlich war ich ja müde und erschöpft von der Schipperei.

Da hab ich mich an eine Geschichte erinnert. Sie geht so: Ein Pfarrer will den Gottesdienst beginnen. Als er in die Kirche kommt, sieht er nur einen einzigen Mann, einen Landwirt, in der Bank sitzen. Darauf fragt der Pfarrer, ob sie den Gottesdienst nicht ausfallen lassen sollen. Der Bauer antwortet: Ich habe zu Hause einen Ochsen im Stall stehen und ich müsste doch verrückt sein, wenn ich dem Ochsen kein Futter gebe, bloß weil er der einzige ist.

Die Geschichte hat mich verwandelt, und für mich war klar, dass der Gottesdienst stattfindet, mit dem Organisten, der Frau und mir. Freudig bin ich in die Kirche gezogen und wir haben gefeiert, gesungen, gebetet. Kurz und intensiv. Nach einer halben Stunde war der Gottesdienst vorbei und die Frau ging beschwingt nach Hause.

Nun will ich Ihnen aber auch das Ende der Geschichte nicht vorenthalten.

Der Pfarrer hat scheinbar verstanden und beginnt mit dem großen feierlichen Hochamt. Am Ende fragt er den Bauern, ob es denn so recht war. Und der Bauer antwortet: Ich habe zu Hause einen Ochsen im Stall und ich müsste ja verrückt sein, wenn ich ihm Futter für zehn vorlege.

Wenn Sie jetzt geschmunzelt haben, dann haben Sie der Freude und dem Lachen in sich Raum gegeben. Und mit diesem Lachen kann dieser neue Tag auch für Sie beschwingt werden.

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