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Joachim Pfützner

Von Joachim Pfützner, Stuttgart, Altkatholische Kirche

Eine glückselige Fasnet

Mittwoch, 03. Februar 2016     [Druckversion]

Fasnet ist; diese Woche geht es mit den Höhepunkten los. Ich freue mich darauf. Und deshalb bin ich übers Wochenende auch nicht in Stuttgart, sondern im Oberland, mitten in der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Auch als Niederrheiner habe ich in den vierzig Jahren, die ich nun schon hier lebe, einen Zugang zum Fasnettreiben bekommen. Dass eine ganze Stadt in der sogenannten fünften Jahreszeit gemeinsam feiert, ist im Norden nicht anders wie im Süden. Mich hat das immer schon fasziniert. Wo du hingehst, triffst du auf Bekannte. Und die, die du noch nicht kennst, lernst du bald kennen, denn das gemeinsame Feiern verbindet. Was mir besonders gefällt, ist, was man einander in diesen Tagen wünscht: Eine glückselige Fasnet.

Glückselig kommt mir vor wie eine Verdoppelung von Glück. Von seiner Herkunft her bezeichnet das Wort „Glück“ den guten Ausgang eines Ereignisses. Und „Seligkeit“ lässt sich ebenfalls von „Glück“ ableiten, wobei hier mehr an das Vollendete gedacht ist. Seligkeit lässt deshalb auch an den Himmel denken, den Ort, wo Gott mit uns Menschen zusammen ein Fest feiert.

Und selig – glückselig – sollen sich die Menschen in der Fasnet fühlen. Immerhin haben sie die Chance, für ein paar Tage aus dem Alltag herauszukommen, für ein paar Tage anderes zu erleben als das, was sie sonst plagt. Sogar die kranken und alten Menschen haben diese Chance; vielen Narrenzünften ist es ein wichtiges Anliegen, sie zu besuchen und zu beschenken. Hundertprozentig funktioniert das allerdings nicht. Es gibt Sorgen, die sich nicht einfach wegdrängen lassen durch ein paar fröhliche Tage. Obwohl: Mein Bruder, der vor genau einem Jahr im Sterben lag, hat mich anderes gelehrt. Er konnte den Karneval nicht mehr mitfeiern, und doch war er froh gestimmt – etwas, das auch seinen Besuchern gut getan hat. Auf jeden Fall gab es, als ich ihn mitten in den tollen Tagen besuchte, viel zu lachen. Und meistens war es er, der das auslöste. Im Nachhinein denke ich oft: Ein bisschen Himmel war damals dabei – ein bisschen von jener Glückseligkeit, die allein Gottes Gabe ist und die uns dem Himmel näher bringt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine glückselige Fasnet.

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