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Joachim Pfützner

Von Joachim Pfützner, Stuttgart, Altkatholische Kirche

Lichtmess

Dienstag, 02. Februar 2016     [Druckversion]

„Lichtmess“ wird der zweite Februar genannt. Nicht nur in kirchlichen Kalendern kann man das lesen, sondern auch in vielen anderen. Denn an diesem Tag endete die Winterpause der Bauern, und in vielen Betrieben gab es einen Wechsel der Angestellten. Im Gottesdienst werden die Kerzen geweiht, die man in der Kirche das Jahr über benötigt, aber auch Kerzen, die die Leute mitbringen, um sie zu Hause beim Gebet anzuzünden. Von daher und weil man auch eine Prozession mit brennenden Kerzen hält, erklärt sich der Name „Lichtmesse“.

In den Kirchen wird es an Lichtmess noch einmal weihnachtlich. Vierzig Tage nach seiner Geburt ist noch einmal von dem Kind die Rede, das Maria in Betlehem zur Welt gebracht hat. Einem Brauch entsprechend, soll es nun im Jerusalemer Tempel Gott geweiht werden (Lukas 2,22-40). Unter den dort Anwesenden sind zwei ältere Menschen, die in dem Kind etwas Besonderes und Großes erkennen: Es ist das „Licht für die Völker“ (Jesaja 49,6); in den Schriften der Propheten kann man davon lesen. Ein aufstrahlendes Licht: Das ist eine vielversprechende, gute Nachricht. „Endlich kommt Licht in das Dunkel“, sagen wir, wenn sich in einer schwierigen Sache ein Durchbruch, eine Wende abzeichnet. Genau diese Wirkung wird dieses Kind haben. Das verkünden die beiden älteren Menschen im Jerusalemer Tempel. Es wird die Wende bringen, die Gott durch die Propheten so lange angekündigt hat. Überall auf der Erde können die Menschen nun hoffen. Das Dunkel, das sie erleben, wird weichen. Das Licht dieses Kindes wird es vertreiben.

Ist das wahr? Angesichts der Probleme, die diese Welt beherrschen, kommen da in mir auch Zweifel auf. Trotzdem mache ich auch die Erfahrung, dass eine dunkle Situation gewichen ist: eine Krise, die ich bewältigen konnte; ein Streit, der nach einem schmerzlichen, aber klärenden Prozess beendet wurde. Ich kann deshalb gut nachvollziehen, wie tröstlich und bestärkend es ist, wenn Menschen in einer Kirche ein Licht anzünden. Es steht für die Hoffnung, dass Gott Licht in die dunklen Seiten meiner Welt bringt. Und es ist Zeichen für Jesus, das Licht, das Gott hat aufstrahlen lassen in dieser Welt und das nicht mehr erlischt.

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