Manuskripte

Anstöße SWR1
Morgengedanken SWR4 BW

Aktuelle Woche   Archiv



Ute Haizmann

Von Ute Haizmann, Weinheim, Evangelische Kirche

Macht

Montag, 25. Januar 2016     [Druckversion]

„Möge die Macht mit dir sein!“
So hat sich neulich ein Freund von mir verabschiedet. Es sollte ein Neujahrswunsch sein.
Klar, der Mann war im Kino gewesen, im neuen Star-Wars-Film. Der ist in den USA jetzt schon so erfolgreich wie kein anderer Film vorher. Seit Jahrzehnten verabschieden sich die Helden der Star-Wars-Filme mit diesen Worten: „Möge die Macht mit dir sein!“
Im Film sind es immer die „Guten“, die das sagen. Es geht also um eine gute Macht, die mit einem sein soll. Ich finde, es klingt fast wie ein Segenswunsch. Der wird im Film gerade auch zu Menschen gesagt, die irgendwas bewältigen müssen, was ihnen ziemlich aussichtslos vorkommt.
Jesus hat mal kühn gesagt: „Mir ist alle Macht gegeben“ (Matthäus 28,18). Das war nach Ostern. Vor Ostern hat er bekanntlich Schlimmes durchgemacht: er ist von mächtigen Menschen zum Tod verurteilt worden. Er war Menschen ausgeliefert, die ihn gedemütigt und gefoltert haben. Seine Freunde haben sich zurückgezogen und ihn allein gelassen. Und schließlich ist er elend am Kreuz gestorben.
Da ist von seiner Macht rein gar nichts zu sehen gewesen. Eher von der Ohnmacht eines Verlierers.
Jesus hat das alles durchgemacht. Und sagt nachher doch: „mir ist alle Macht gegeben“.
Ich glaube, er meint damit nicht die Macht, über allem zu stehen, oder die Macht, alles gut hinzubekommen. Ich glaube, er spricht von der Macht der Liebe. Die mag nach außen hin manchmal wenig beeindrucken und ohnmächtig wirken. Aber wenn ich das Leben von Jesus anschaue, sehe ich, wieviel Kraft sie hat. Und wieviel Kraft sie gibt.
Er hat keine Angst, einen kranken Menschen zu berühren. Er muss das Elend nicht schönreden oder es weglächeln. Nein, er geht zu denen hin, denen es schlecht geht. Er hört ihnen zu. Er richtet sie auf.
Er redet Klartext mit dem, der Unrecht tut. Und reicht einem Menschen wie dem Judas, der ihn verrät, doch die Hand.
Er gibt den nicht auf, der sich selbst aufgegeben hat.
Die Macht, die er hat hat, setzt er zum Guten ein.
Als er am Ende sterben muss, klagt er aus tiefstem Herzen – und vertraut sich so Gott an.
Und wir Christen glauben: einige Tage später hat Gott ihn auferweckt. Da hat sich gezeigt: Den liebenden Jesus konnte der Tod nicht überwältigen. Soviel Macht hat er. Soviel Macht hat die Liebe.
„Möge die Macht Jesu mit dir sein“ – das ist mal ein starker Wunsch für’s neue Jahr. Ein Segenswunsch, auch für die Momente, in denen ich nicht weiter weiß.
Möge die Macht der Liebe mit dir sein.

Per E-Mail empfehlen