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Ute Haizmann

Von Ute Haizmann, Weinheim, Evangelische Kirche

Pause

Sonntag, 24. Januar 2016     [Druckversion]

„Mach mal Pause! Gib auf dich acht!“
Eine alte Geschichte aus der Bibel erzählt, wie ein Schwiegervater das zu seinem Schwiegersohn gesagt hat. Es geht um Mose, den langjährigen, erfahrenen Anführer des Volkes Israel. Ein wichtiger Mann. Unverzichtbar. Zumindest hat er das gedacht. Also hat er Tag und Nacht gearbeitet und anderen Leuten viele gute Ratschläge gegeben.
Aber dann war es wohl Zeit, dass auch mal einer mit ihm redet. Dieses Gefühl hatte jedenfalls der Schwiegervater.
Der ist zu Besuch gekommen, hat Mose einen Tag begleitet und ihm bei der Arbeit zugeschaut. Klugerweise ohne etwas zu kommentieren. Da stehen Schwiegersöhne bei ihrer Arbeit ja nicht so drauf. Abends aber hat er ihn zur Seite genommen und hat vorsichtig nachgefragt: „Geht es bei dir jeden Tag so zu?“ Und Mose hat gesagt: „Ja!“
Jethro, der Schwiegervater, hat ihm ins Gewissen geredet. Mach mal Pause. Gib auf dich acht.
Mose hört sich das gelassen an, was Jethro ihm sagen möchte. Obwohl er sich eigentlich zu wichtig findet, um Pause zu machen. Und es war bestimmt ein prima Gefühl, gebraucht zu werden.
Jethro aber trifft den richtigen Ton: „Mose, Du machst dich müde. Und die anderen um dich herum machst du auch müde. Mach weniger, und das mach richtig. Alles andere lass liegen. Und was nicht liegen bleiben kann, da trau mal anderen Leuten zu, dass sie das auch hinkriegen. Ohne dich. Lass los.“
Was Jethro damals gesagt hat, könnte heute in jedem Handbuch für Unternehmensberatung stehen. Oder in der Ratgeber-Kolumne in der Zeitschrift beim Friseur. „Mach mal Pause. Mach weniger. Mach’s nicht alleine.“
Mose hat es sich übrigens tatsächlich zu Herzen genommen. Vermutlich hat er auf die Art auch mehr Zeit für seine Familie gehabt. Und Jethro hat nicht nur klug vom Loslassen geredet, sondern er hat es auch selbst gemacht. Er hat sich nämlich von Mose verabschiedet und ist gegangen.
Wenn ich ab und zu am Rad drehe und mich für unglaublich wichtig und unverzichtbar halte, kommt mir der alte Jethro in den Sinn. Er erinnert mich, dass ich nicht alles im Griff habe und auch nicht alles im Griff haben muss.
Ich finde, ein Sonntag wie heute ist ein ausgesprochen guter Tag, um den Tipp von Jethro umzusetzen und Pause zumachen. Ich gehe jedenfalls nachher in den Gottesdienst. Es ist mal wieder Zeit, mich erinnern zu lassen: Gott hat alles in der Hand, nicht ich. Das entlastet mich. Und es hilft mir, zur Ruhe zu kommen und Kraft zu schöpfen.

Die Geschichte von Jethros Besuch bei Mose steht in 2.Mose 18, 13ff.

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