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Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Einmischung

Mittwoch, 13. Januar 2016     [Druckversion]

Soll die Kirche, dürfen Christen sich äußern zu Fragen, die uns alle umtreiben? Wie kann man gut leben und was hilft, um gut zu sterben? Wie gehen wir mit den vielen Flüchtlingen um, die in unserem Land Schutz suchen? Ist Krieg die einzige Antwort auf den Terror, der uns in Angst und Schrecken versetzt?
Manche sagen in solchen Situationen: Warum sagt die Kirche denn nichts dazu? Wenn sie zu solchen drängenden Fragen unseres Lebens nichts sagt, dann ist sie eigentlich überflüssig.
Aber andere sagen: Moralapostel! Lasst uns in Ruhe mit eurer Besserwisserei. Was ich tue, geht niemanden etwas an und ich lasse mir da auch von niemandem hineinreden.
Und noch andere finden: Die Kirche soll sich um die Seele der Menschen kümmern, ihnen Trost geben in Trauer und Leid und Hoffnung für den Tod. Etwas anderes wollen wir von den Christen nicht hören.
Ich finde wir Christinnen und Christen sollten nicht nur dann reden, wenn es Opfer zu beklagen gibt und dann die Hinterbliebenen trösten. Wir sollten auch reden und tun, was wir können, damit es nicht so viele Opfer gibt.
Ich weiß, und das sagen ja auch viele: Im Namen der Religion, auch der christlichen, gab und gibt es Opfer. Und es ist wahr: Religion kann missbraucht werden um Machtansprüche durchzusetzen. So wie sie jetzt von manchen Terroristen missbraucht wird. Auch die Kirchen haben solche Schuld auf sich geladen. Aber ich finde: Das ist kein Grund, warum Christen heute schweigen müssten. Gott sei Dank kann man bei uns ja kritisch hinterfragen, was Christen sagen und warum. Da kann jeder sich dann selber ein Urteil bilden.
Darum geht es, glaube ich. Dass Christen und Christinnen ihre Stimme einbringen in die Meinungsfindung in unserer Gesellschaft. An Jesus erinnern und seine Vorstellung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Der Prozess der Meinungsbildung ist ein Gespräch. Und in diesem Gespräch darf die Stimme der Christinnen und Christen nicht fehlen. Und deshalb darf sie auch nicht nur in den Kirchen und für die Christen laut werden. Sie darf auch öffentlich zu hören sein.
Jesus hat sich übrigens auch nicht beschränkt auf die Fragen des innerlichen Glaubens: In aller Öffentlichkeit hat ihn mal jemand gefragt: Was kann ich tun, um das ewige Leben zu finden?“ Da hat er dem Fragesteller die Geschichte vom dem Mann erzählt, der einen Überfallenen fand, ihn verbunden hat und in Sicherheit gebracht. Und dem, der nach dem ewigen Leben gefragt hat, hat Jesus gesagt: Geh hin und mach es genauso!
Ich bin froh, dass sich das viele zu Herzen nehmen. Nicht nur Christen. Aber die besonders. Gott sei Dank.

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