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Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Glück

Freitag, 15. Januar 2016     [Druckversion]

„Glücklich zu sein ist einfach. Aber vielen fällt es schwer, so einfach zu sein!“ Das hat der Entertainer Eckehard von Hirschhausen schon öfter gesagt.
„Glücklich zu sein ist einfach!“ Ob er Recht hat? Was meinen Sie?
Man soll im einfachen Leben das Glück finden – das ist ja ein alter Rat. Schon das Märchen vom Hans im Glück erzählt davon, dass nicht Geld und Gut glücklich machen, sondern das Heimkommen zu Menschen, die man liebt. Und die Weihnachtsgeschichte, die wir vor knapp drei Wochen gehört haben, die kann man auch so verstehen. Da sind junge Leute unterwegs, mittellos in einem Notquartier und bekommen ein Kind – und sind glücklich: das himmlische Kind in der Krippe, Maria und Josef betrachten es froh. Davon singen die Weihnachtslieder und viele stimmen gern ein in dieses Lob des einfachen Lebens. Vielleicht hören viele die Weihnachtsgeschichte auch deshalb so gern, weil man sie so verstehen kann: Es ist einfach, glücklich zu sein, wenn man sich auf das Entscheidende konzentriert.
Obwohl: Das könnte ja auch eine Beschwichtigung sein für die kleinen Leute und die Armen: Findet euch ab! Seid zufrieden! Dann werdet ihr auch glücklich sein. Bloß: so bleiben die Armen arm in ihren Hütten und die in den Palästen erzählen Geschichten vom Glück. Das einfache Leben fühlt sich anders an, je nachdem, auf welcher Seite man steht.
Ganz einfach könnte es aber eigentlich sein, dem Rat Jesu zu folgen. Der hat zu ganz verschiedenen Leuten vom Glück gesprochen. Glücklich sind die Barmherzigen, hat er zum Beispiel gesagt. Die gut sind zu anderen und nicht fragen: Wie komme ich denn dazu und hat der das auch verdient? Glücklich sind, die ein reines Herz haben, hat Jesus gesagt. Die nicht allem und jedem misstrauen und die nicht Hintergedanken haben bei dem, was sie tun. Die nicht am Ende bloß ein gutes Geschäft machen wollen mit der Hilfe für andere. Glücklich sind, die Frieden stiften und manchmal auch darauf verzichten, das letzte Wort zu haben. Ohne Frieden ist es schwer, glücklich zu sein. Glücklich sind, die sanftmütig versuchen, ohne Gewalt durchs Leben zu kommen. Glücklich sind die nach Gerechtigkeit streben und tun, was sie können, damit alle zu ihrem Recht kommen.
Das hat Jesus Menschen geraten, die glücklich sein wollen. Die müssen sich nicht abfinden mit ihrer Situation und sich zufrieden geben. Wer glücklich sein will, sollte sich einsetzen für das Glück der anderen. Dann ist das private Glück nicht eine Insel im Meer von bedrohlichem Unheil. Sondern es breitet sich aus, das Glück. Und ergreift viele andere. Eigentlich ganz einfach. Aber es fällt schwer, so einfach zu sein.
Trotzdem: Lassen Sie uns damit anfangen!

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