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Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Demo

Samstag, 16. Januar 2016     [Druckversion]

Heute Mittag gehe ich zur Demo. Unter dem Motto „halt!zusammen“ findet um 11:00 hier in Stuttgart auf dem Schlossplatz eine Kundgebung gegen Rassismus und Gewalt statt. Gewerkschaften sind dabei, Arbeitgeber, die Kirchen, Parteien und Sozialverbände, Sportler machen mit und Naturschützer und politische Stiftungen. Die katholischen und evangelischen Bischöfe in Baden-Württemberg laden ausdrücklich ein, zusammen mit anderen dort zu zeigen: „Wir sind die Vielen, die zusammenhalten gegen Rassismus und Gewalt in unserem Land“
Was so eine Demo nützen soll, fragen sie jetzt vielleicht. Und ob den Flüchtlingen und Ausländern bei uns mit praktischer Hilfe nicht viel mehr geholfen ist als mit einer Demo?
Natürlich brauchen die Menschen praktische Hilfe. Und da wird ja auch eine Menge getan. Wenn irgendwo um Kleiderspenden gebeten wird, sind nach wenigen Tagen die Lager übervoll. Ehrenamtliche bauen Betten auf, organisieren Deutschkurse, kümmern sich um die Betreuung der Kinder. Wir sind ein reiches Land mit vielen wohlhabenden engagierten Bürgern. Wir können helfen und viele helfen. Gott sei Dank. Gerade Kirchengemeinden und Christen engagieren sich in hohem Maß. Der Landtagspräsident Wilfried Klenk hat vor kurzem gesagt: „Seien wir doch – vor allem anderen – einfach stolz auf die humanitäre Kraft unseres Landes und bedenken wir dabei, wie sehr sie im christlichen Glauben wurzelt.“
Aber ich glaube, so eine – möglichst große –Demonstration ist trotzdem wichtig. Es geht darum, zu zeigen: Wir sind viele. Viele, die keine Angst haben und sich keine Angst machen lassen. Wir halten zusammen und fürchten uns nicht vor Islamisierung – wir wissen, was wir glauben und worauf wir vertrauen. Wir haben keine Angst vor Terror. Freundlichkeit gegenüber den Fremden macht die unglaubwürdig, die mit Terror drohen. Wir haben keine Angst um unseren Wohlstand. Die allermeisten, die zu uns kommen, wollen arbeiten und für ihre Familien sorgen. Es wird uns allen hier im Land besser gehen, wenn wir ihnen die Chance dazu geben.
„Fürchte dich nicht!“ heißt es in der Bibel immer, wenn sich etwas zum Guten wenden soll. Und wenn Menschen sich nicht fürchten, wendet Gott die Geschichte zum Guten. Ich finde: Gerade wir Christen sollten zeigen, dass wir der Angst unser Gottvertrauen entgegen setzen. Deshalb gehe ich heute Mittag zur Demo.

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