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Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Gott

Dienstag, 12. Januar 2016     [Druckversion]

Wie sieht Gott aus? Fragen einen manchmal die Kinder. Kann man ihn überhaupt sehen? Gott kann man nicht sehen, antworten wir klugen Erwachsenen dann meistens. Er ist überall, sagen manche noch, aber er ist unsichtbar.
Manche Kinder halten Gott dann für eine Art Geist oder Gespenst – die sind auch unsichtbar. Und vielen Erwachsenen gerät Gott über diesen klugen Erklärungen irgendwie aus dem Blick. „Droben über’m Himmelszelt muss ein guter Vater wohnen“, sagen und singen wir und viele fragen sich, ob der da oben womöglich schläft und gar nicht merkt, was hier unten bei uns vorgeht. Und dann passiert es leicht, dass einer sagt: So ein Gott, der ist mir zu weit weg, der kümmert sich ja doch nicht um mich und um unsere Welt – eigentlich ist es egal, ob es ihn gibt oder nicht.
Kann man Gott sehen?
Ja, man kann, antwortet die Bibel. Bald nach der Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu im Stall erzählt sie von Simeon. Der war ein alter, frommer Mann und wartete darauf, dass Gott endlich eingreifen würde und die Situation der Menschen verbessern. Dass es nicht mehr Arme und Reiche, Unterdrückte und Unterdrücker, Krieger und Flüchtlinge geben würde. Das war seine Hoffnung.
Und die Bibel erzählt: Dieser Simeon traf Maria und Josef mit ihrem Neugeborenen. Das hat er auf den Arm genommen und betrachtet und begriffen: „Meine Augen haben den Heiland gesehen!“ Später haben die Leute erzählt, Gottes Geist habe ihm die Augen geöffnet, so dass er erkannt hat: Dieses Kind wird es tun. Er wird den Menschen sagen und zeigen und vorleben, wie das Leben anders werden kann. Besser. An vielen Orten hat das geklappt. Wo Menschen sich an Jesus orientiert haben, da hat sich etwas verändert. Aber, leider: vielen war das zu ärmlich. Zu nachsichtig. Zu freigiebig. Die wollten lieber nach eigenen Ideen und mit eigener Macht die Welt verändern.
Trotzdem glaube ich: Ja, man kann Gott sehen. Denn er selbst hat sich gezeigt – in diesem Kind. Damit jeder ihn hören kann und sehen, betrachten und betasten. Wie die Hirten in der Weihnachtsgeschichte. Wie die Weisen, die später kamen. Wie Simeon, der Alte im Tempel. Gott hat sich gezeigt.
In diesem Kind, das Jesus heißt. Gott rettet. Oder Immanuel. Gott ist mit uns. Das ist nämlich der zweite Name, den die Eltern ihm geben sollten. An Jesus sollte man sehen können, wer Gott ist und wie er ist: Mit uns. Mit Ihnen. Mit mir. „Immanuel - Gott mit uns“ oder „Jesus – Gott hilft“ – diese Namen sollen mir in den Sinn kommen, wenn ich an Gott denke. Seit Weihnachten glauben Christen: Gott selbst hat sich in einem Menschen gezeigt, der Jesus heißt: Gott rettet.

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