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Judith Schmitt-Helfferich

Von Judith Schmitt-Helfferich, Heidelberg, Katholische Kirche

Nur für heute

Freitag, 08. Januar 2016     [Druckversion]

Der Tag hat 24 Stunden. „Leider nicht mehr“, denkt der eine oder die andere jetzt vielleicht von Ihnen, wenn Sie sehen, was heute alles erledigt werden muss. „Hoffentlich geht der Tag schnell vorbei“, mögen andere denken, auf die heute etwas wartet, was sie am liebsten schon hinter sich gebracht hätten.

Ähnliche Gedanken hatte vor knapp 60 Jahren vermutlich auch Papst Johannes XXIII.

Mit 77 Jahren ist er zum Papst gewählt worden. Für ihn aber kein Grund die Hände in den Schoss zu legen. Im Gegenteil: kurze Zeit nach seiner Wahl hat er eine große Versammlung, das sogenannte „Vatikanische Konzil“ einberufen mit mehr als 2000 Teilnehmern. Sicher war ihm klar, dass das nicht ohne Streit, Debatten und manche Diskussionen über die Bühne gehen würde. Und bestimmt war er erleichtert, wenn manche Tage einfach nur vorbei waren. Aber sein Einsatz hat sich gelohnt, denn die Ergebnisse des Konzils haben Vieles in der Kirche verändert.

Was mich bis heute an Papst Johannes XXIII beeindruckt ist, woher er jeden Tag die Kraft genommen hat. Sicherlich hat seine einfache, humorvolle und unkomplizierte Art es ihm leicht gemacht mit Schwierigkeiten zu Recht zu kommen. Besonders schätze ich aber, dass er ein unglaubliches Vertrauen gehabt haben muss. Ein Vertrauen, dass ihn gelassener hat werden lassen.

Und wie auch immer Ihr Tag heute anfangen mag – vielleicht kann ein Wort von Johannes dem XXIII. dazu beitragen heute etwas von dieser Gelassenheit einzuüben.

Nur für heute

werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute

werde ich nicht danach streben, die anderen zu kritisieren oder zu korrigieren – nur mich selbst.

Nur für heute

werde ich mich den Gegebenheiten anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Gegebenheiten an mich und meine Wünsche anpassen.

Nur für heute

werde ich eine gute Tat vollbringen und ich werde es niemand erzählen.

Nur für heute

werde ich etwas tun, wozu ich eigentlich keine Lust habe.

Nur für heute

werde ich keine Angst haben und mich an allem freuen, was schön ist.

Nur für heute

Werde ich fest daran glauben, dass Gott für mich sorgt – so als gäbe es keinen anderen Menschen auf der Welt.

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