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Andreas Föhl

Von Andreas Föhl, Bad Dürrheim, Evangelische Kirche

Trost

Freitag, 01. Januar 2016     [Druckversion]

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jesaja 66,13) heißt es in der Bibel.
Der Prophet Jesaja sagt das im Auftrag Gottes. Gott lässt den Menschen durch den Propheten ausrichten: „Ich tröste euch wie eine Mutter“. Aber ich finde diesen Satz gar nicht so einfach zu verstehen. Mütter sind doch ganz unterschiedlich. Und sie trösten ihre Kinder auch ganz unterschiedlich. Wie tröstet Gott denn?
Vielleicht, indem er bedingungslos zu einem steht. So hat das jedenfalls meine eigen Mutter gemacht. Wenn ich zurückdenke an meine eigene Kinder- und Jugendzeit, dann fällt mir ein: Wenn ich nach Hause gekommen bin und von einem Streit erzählt habe, mit Freunden oder in der Schule – immer war für meine Mutter klar: Die anderen waren schuld. Meine Mutter hat überhaupt nicht verstanden, wie man sich mir gegenüber so mies verhalten konnte. Für sie war klar, dass ich im Recht war. Das hat sicher nicht immer gestimmt. Aber gut getan hat es mir trotzdem. Und es hat mich getröstet.
Vielleicht ist es ja das, was die meisten Mütter – so unterschiedlich sie auch sind – verbindet: Sie stehen auf der Seite ihrer Kinder. Und das tut Gott auch. In seinem Roman „Die Hütte“ betont William Paul Young diese mütterliche Seite Gottes ganz stark. Mack, die Hauptperson des Romans, hat seine kleine Tochter verloren. Er ist traurig und verbittert. Eines Tages erhält er einen Brief von Gott, der ihn in einer einsamen Hütte treffen will. Obwohl Mack das sehr seltsam vorkommt, macht er sich auf den Weg. Als er dort ankommt und die Tür aufgeht, steht da eine große, dicke afroamerikanische Frau, die Mack erst mal in den Arm nimmt und kräftig drückt. Und das ist genau das, was Mack braucht. Der Roman beschreibt, wie dann in dieser Hütte viele Gespräche folgen, mit Gott und auch mit Jesus und dem Heilige Geist. Es ist ein langer Weg für Mack aus seiner Trauer heraus. Aber am Anfang dieses Weges steht die mütterliche Umarmung, mit der Gott Mack zeigt: Ich bin auf deiner Seite.
Jemand, der auf meiner Seite steht, der zu mir hält, der für mich da ist – ich, denke so jemanden kann jeder gut gebrauchen. Gott will so jemand für uns Menschen sein. „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet“. Diesen Satz haben die christlichen Kirchen als sogenannte  Jahreslosung für das neue Jahr ausgesucht, als Motto, das einen durch das Jahr hindurch begleitet. Ich finde: das ist ein Mut machender Satz am Beginn unserer Reise durch das neue Jahr. Und mit dem Roman „Die Hütte“ gibt es die passende Reiselektüre dazu.

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