
Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche
Die Haut
Montag, 11. Juni 2012
Welches ist unser größtes Sinnesorgan? Die Nase oder die Ohren? Nein, die Haut! Mit einer Gesamtfläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern ist die Haut nicht nur unser größtes Sinnesorgan, sondern unser größtes Organ überhaupt! Vielleicht sind Sie ja gerade im Bad und pflegen Ihr Sinnesorgan. Und das ist ja auch gut so, dass Sie Ihre Haut hegen und pflegen, denn sie schützt uns. Rund zwei Millionen Hautzellen schützen uns vor Krankheitserregern, vor UV-Strahlen, vor zuviel Hitze oder Kälte. Millionen von Nervenzellen lassen uns Gänsehaut bekommen oder warnen uns durch Schmerz vor größerem Schaden. Wer an Hautkrankheiten leidet, weiß welche Belastung das ist. Wenn es juckt bis zum Verrücktwerden und die Krankheit auch noch so deutlich sichtbar ist. Und Menschen mit Hautkrankheiten wissen um die Verbindung von außen und innen, von Leib und Seele. Das hat sicher auch der Mann aus Nazareth gewusst. Jesus hatte viel Hautkontakt mit den Menschen, hat sie angefasst. Selbst wenn sie schlimmste Krankheiten hatten wie Lepra und damit aussätzig waren, aus der Gemeinschaft ausgestoßene. Er hat sie berührt an Leib und Seele. Hat sie von Haut zu Haut spüren lassen, dass sie, gerade sie, die für unappetitlich und minderwertig gehalten werden, kostbar und liebenswert sind. Das Wort Haut ist verwandt mit dem Wort Hülle. Die Haut umhüllt unser Inneres, das Körperliche, aber gerade auch das Seelische. Von der Haut aus kann man die Seele pflegen. Das spürt man nicht nur bei Massagen, Umarmungen und Streicheleinheiten. Babys entwickeln sich nachweislich besser, wenn sie berührt und gestreichelt werden. Ein unsägliches Experiment im Mittelalter hat gezeigt, dass Säuglinge sogar sterben, wenn sie alles zum Leben bekommen außer Berührungen. Und was sagt uns das alles? Soll ich nun den anderen zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten antatschen? Nein sicher nicht, aber vielleicht echt ein Gespür dafür entwickeln, wann eine Berührung hilfreich oder heilsam ist. Sei es als Pflege meiner oder eines anderen Haut. Oder durch ein gutes Wort, das unter die Haut geht und Balsam ist für die Seele.



