
Von Gabriele Hofmann, Hohenwart, Evangelische Kirche
Aggression am Steuer
Montag, 21. Mai 2012
Am Montag sind die Autofahrer besonders genervt. Ich auch. Vor ein paar Wochen habe ich da eine Szene erlebt, die ist kaum zu glauben: Mitten auf der Autobahn-abfahrt schert der übernächste Wagen vor mir plötzlich aus der Reihe aus. Zieht das Auto quer über die Straße und stoppt den Wagen vor mir. Ich kann gerade noch mitbremsen. Ich denke, ich sehe nicht recht. Der Fahrer springt aus seinem Geländewagen, reißt dem vor mir die Türe auf, droht und schreit. Jetzt gibt's gleich eine Schlägerei, denke ich. Hinter mir bildet sich eine Schlange. Dann hat der Typ da vorne sich ausgetobt. Er steigt in seinen Wagen ein und fährt wieder weiter, als sei nichts geschehen.
Nicht immer geht es so extrem zu, zugegeben. Aber viel zu oft. Ich frage mich, woran das liegt, dass selbst die friedlichsten Zeitgenossen zu Ekelpaketen werden können, sobald sie am Steuer sitzen.
Weil sie vergessen, dass ihr Wagen vier Fenster aus Glas hat und jeder sehen kann, wie sie sich aufführen? Komisch eigentlich, dass man sich im eigenen Auto ungehemmter verhält und sich Dinge heraus nimmt, die man auf dem Bürgersteig so nie tun würde. Und wenn man selbst beschimpft wird, weil man einen Moment unachtsam war, dann fällt es oft richtig schwer, die Beleidigungen nicht an sich herankommen zu lassen.
Was kann man tun, damit einem das nicht passiert? Gibt es eine Methode, dass es gar nicht erst so weit kommt?
Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und da ist mit eingefallen, wie Jesus gesagt hat: „Segnet die, die euch verfluchen und bittet für die, die euch beleidigen."(Lk 6,28) Im Straßenverkehr wäre das doch mal eine Möglichkeit, diesen Rat Jesu auszuprobieren, hab ich mir gedacht. Mich einfach nicht provozieren zu lassen und auch nicht erschrocken sein, wenn einer mich beschimpft. Das habe ich mir vorgenommen. Und das nächste Mal in so einer Situation in meinem Auto nicht laut gesagt „Du Depp", sondern „Gott segne Dich" - „Gott segne dich, der du dich jetzt so aufregen musst. Gott segne dich, dass Du keinen Unfall baust mit deiner Fahrweise. Gott segne dich, dass dein Blutdruck wieder sinkt." Und als vor ein paar Tagen einer mir voller Wut den Vogel gezeigt hat, habe ich ihm ein Segenskreuz gemacht. Was der andere Fahrer sich da gedacht hat, kann ich nicht wissen. Mir jedenfalls ging es viel besser. Irgendwie hat mich die Wut des anderen nicht mehr so getroffen. Ich konnte ruhiger weiterfahren und hatte den Vorfall bald wieder vergessen.



