
Von Kalle Grundmann, Koblenz, Katholische Kirche
Roter Rucksack
Mittwoch, 16. Mai 2012
Einige mannshohe, rote Rucksäcke stehen im Moment in der Mannheimer Innenstadt. Sie machen darauf aufmerksam, dass dort heute Abend der 98. Deutsche Katholikentag eröffnet wird. Der rote Rucksack ist das Zeichen, das Logo, dieses Katholikentreffens. Und dazu das Leitwort: „Einen neuen Aufbruch wagen". Klar, wer aufbrechen will, wer sich auf den Weg machen will, der braucht einen Rucksack. Und wer dabei vorankommen will, muss sehen, dass der Rucksack nicht zu schwer ist. Denn nur mit leichtem Gepäck kommt man gut voran. Da muss man dann einiges aus dem Rucksack herausschmeißen, sich - auch von lieb gewonnenem - trennen. Abspecken ist angesagt. In Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und stark nach lassendem Gottesdienstbesuch kommt man auch in der Kirche an der Diskussion nicht vorbei. Zumindest, wenn man das ernst meint, mit dem neuen Aufbruch. Was für die Kirche als Gemeinschaft gilt, gilt auch für jeden einzelnen. Wer aufbrechen will, wer vorankommen will, der muss sehen, dass sein Gepäck leicht ist. Vor jedem Aufbruch kommt deshalb erstmal das Entrümpeln. Was nehm' ich mit, was lass ich zurück, was werfe ich weg? Diese Fragen stellen sich in unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder neu: Wenn junge Leute zur Berufsausbildung oder zum Studium das Elternhaus verlassen, wenn Paare zusammenziehen und einen gemeinsamen Hausstand gründen und ganz besonders wenn ältere Menschen sich verkleinern müssen. Sie aus einer großen Wohnung oder gar einem Haus in eine kleinere Wohnung oder in ein Altenheim umziehen. Sie müssen sich dann von vielen Erinnerungsstücken trennen und das fällt oft sehr schwer. Wohl dem, der das kann, der loslassen kann und damit frei wird für einen Aufbruch in eine neue Lebensphase. Für meine Kirche wünsche ich mir, dass der rote Rucksack durch die Gespräche in Mannheim ein wenig leichter wird, er gut geschultert werden kann und vor allem, dass er die Menschen nicht erdrückt.



