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Altfried G. Rempe

Von Altfried G. Rempe, Trier, Katholische Kirche

nicht glauben - doch sehen...

Sonntag, 22. April 2012     [Druckversion]

Es war die Geschichte vom angeblich ungläubigen Thomas,
die da als Evangelium vorgelesen wurde, am zweiten Ostersonntag.
Auch im Radio-Gottesdienst eines deutschen Senders.
Und eigentlich war es nur ein Versprecher -
oder wie nennt man das, wenn der Sänger sich beim Text vertut:
ein Versinger also. So spricht der Herr, hat er gesungen:
Selig, die nicht glauben und doch sehen. Halleluja. Ja Halleluja; hab ich auch gedacht.
Original-Text wäre: Selig sind, die nicht sehen und trotzdem glauben.
Sagt Jesus in der Geschichte zu dem Jünger Thomas, genannt Zwilling,
der den ApostelKollegen nicht glauben konnte,
dass sie den tot gewesenen Freund Jesus lebendig gesehen hatten. Nur wenn ich ihn anfassen kann - mit dem Finger in die Wunden packen,
die sie ihm zugefügt haben, als sie ihn gefoltert und am Kreuz ermordet haben.
Einer, der zupacken will; einer der weiß, wie leicht man sich täuschen lässt...
Und dann steht der von den Toten auferstandene Jesus vor ihm
und lädt ihn ein: greif zu, fass mich an. Das überzeugt ihn.
Du glaubst, weil du mich gesehen hast, sagt Jesus;
und dann eben: Selig, die nicht sehen und trotzdem glauben.Das klingt wie zu den Menschen heute gesagt.
Jesus und Gott nicht sehen können - das ist ja unsere Situation.
Und doch: Auch umgekehrt könnte es ja passen.
Nicht glauben - aber schon mal sehen.
Ich lade jedenfalls im Moment immer mal wieder Leute ein,
die das mit dem Glauben und schon sowieso mit dem Heiligen Rock in Trier
für - na ja: dummes Zeug halten; die angeblich nix glauben können.
Ich lade sie ein: kommt mal und seht, was da abgeht im Trierer Dom.
Wie die Menschen zu dem schönen Glaskasten kommen,
in dem das angebliche letzte Hemd von Jesus liegt.
Wie sie ihn anfassen, manche sogar küssen, lange stehen oder knien bleiben.
Und wenn ihr dann immer noch nicht glauben könnt,
dann habt ihr wenigstens gesehen und wisst ein bisschen besser,
wovon ihr redet. Selig, die nicht glauben und doch wenigstens sehen!