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Dr. Ludwig Burgdörfer

Von Dr. Ludwig Burgdörfer, Landau, Evangelische Kirche

All inclusive

Samstag, 31. März 2012     [Druckversion]

INRI

INRI steht auf dem Schild am Kreuz. Pilatus, der frisch gewaschene Saubermann hat es geschrieben. Und zwar in 3 Sprachen. Damit es aber auch wirklich alle verstehen.
In der Landessprache - Hebräisch
In der Handelssprache - Griechisch
In der Amtssprache - Lateinisch
INRI
Jesus Nazarenus Rex Judaorem- Jesus aus Nazareth König der Juden.
Damit alle wissen, wer da hängt. Und während die Passanten die Passion passieren und der Hügel Golgatha so in die Geschichte eingeht, sitzen unter dem Kreuz die Soldaten und würfeln. Sie haben ihre Pflicht getan und jetzt verteilen sie das letzte Hemd, das Jesus anhatte. Es steht ihnen zu. Nach geltendem römischen Recht gehören den Henkern die letzten Habseligkeiten der Übeltäter.
Und weil sein Kleid an einem Stück genäht ist, wollen sie es nicht zerteilen, sondern sie würfeln darum, wer es bekommt. Die Würfel sind gefallen!
Den berühmten Satz hatte 50 Jahre vorher Julius Cäsar gesagt, als er siegreich nach Rom vordrang. Alles ist entschieden. Der Kampf ist aus. Der Tod ist aufgekreuzt. Jesus von Nazareth, der König der Juden. Er scheint wirklich verloren, besiegt, unterlegen, ausgelöscht.
Es gibt sie tatsächlich, diese unerträgliche Todesstunde, in der alles sinnlos und dunkel wird. In der Jesus schreit: Mein Gott warum hast Du mich verlassen?
Es gibt diese Erfahrung der Gottverlassenheit tatsächlich.
Ehe irgendein Osterlicht aufgeht am Ende des Tunnels ist er erst einmal zu durchschreiten dieser dunkle Tunnel. Ich kenne eine Kirchengemeinde, die räumt an Karfreitag alles vom Altar. Die Konfirmanden tragen alles zum Tempel hinaus:
Die Bibel, die Blumen, die Kerzen, die bunten Tücher. Und dann legen sie ein schwarzes Tuch darauf. Und dann steht der Tisch da, wie ein verhüllter Sarg. Und das bleibt dann erst einmal so. Weil es so ist, weil es passiert. Weil wir es aushalten müssen. Wenn wir unser Glaubensbekenntnis sprechen, dann sagen wir über Jesus:
„... gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben, hinab gestiegen in das Reich des Todes..."
Wir bekennen uns zum Untergang. Zum Ende. Zu Tod und Grab.
Das gehört zu unserem Lebenslauf und Glaubensweg.
Das ist wichtig. Dieser dunkle Teil gehört dazu.
Und wir bekennen uns zu dem, der genau diesen dunklen Teil auch kennt.
Er weiß also ganz genau, wie sich das alles anfühlt.
Und darum ist es so gut und so wichtig, zu ihm zu gehören.
Es kann nichts kommen, was er nicht auch kennt. Zumal die Würfel nicht wirklich schon gefallen sind. Jesus hat nämlich sein letztes Hemd für uns alle gegeben. Und was da bedeutet, das wird sich erst noch herausstellen.