
Von Dr. Ludwig Burgdörfer, Landau, Evangelische Kirche
Kreuzschmerzen
Freitag, 30. März 2012
Kreuzschmerzen tun weh. Viele Leute leiden darunter. Unerträglich ist diese Volkskrankheit. Kaum auszuhalten. Das kann dir niemand abnehmen! Heißt es dann. Oder doch?
Für mich ist eine der bewegendsten Szenen in der Passionsgeschichte Jesu wie er auf dem Weg unter der Last seines Kreuzes zusammenbricht. Kreuzschmerzen der besonderen Art bringen ihn zu Fall. Und da kommt ein Bauer vom Feld, wie es scheint ganz zufällig und wird jetzt ganz wichtig. Er heißt Simon. Simon von Kyrene.
Er muss kräftig und stark ausgesehen haben. Wie sonst könnte er so aufgefallen sein, dass man ihn dafür heranzieht, Jesus das Kreuz abzunehmen. Was für eine tragende Rolle. Jesus hat solche Kreuzschmerzen, dass er seine Last nicht mehr tragen kann. Und da muss einer kommen, der sie ihm abnimmt. Zumindest ein Stück.
Mitleid. Anteilnahme.
Ich erschrecke immer wieder darüber, wenn ich bei Todesanzeigen den inzwischen fast schon zum Standard gewordenen Zusatz lese: Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen. Was tun wir uns da an?
Was machen wir mit unseren Kreuzschmerzen?
Wie sollen wir das alles alleine tragen?
Wir brauchen doch alle Menschen, die mitgehen, die beistehen, die abnehmen, die tragen helfen.
Wenn selbst Jesus unter der Last seines Kreuzes zusammen bricht, warum tun wir dann so, als wären wir stark genug, das, was uns auferlegt wird, immer nur alleine zu ertragen?
Simon von Kyrene jedenfalls steht für mich Modell dafür, dass wir angewiesen sind und bleiben, auf Menschen, die bereit sind, unterwegs ein Stück mitzugehen um das Unerträgliche mit zu tragen.
Wenn wir aufhören, uns gegenseitig unser Beileid auszusprechen und auszuleben, dann wird unser Leidensweg irgendwann nicht mehr zu begehen sein.
Wir brauchen jemanden, der uns entlastet und etwas abnimmt, zupackt, unter die Arme greift. Ohne diesen Lastenausgleich kommen wir nicht voran. Jesus lässt sich sein Kreuz tragen. Vielleicht finden sich auch heute Leute, die füreinander genau das tun.



