Manuskripte

SWR4 Abendgedanken Rh-Pf

Singen, weil's Freude macht

Dienstag, 22. November 2011     [Druckversion]

In diesem Jahr war ich kurz nacheinander bei zwei ganz unterschiedlichen Konzerte. Bei dem einen gab es Mozarts Krönungsmesse im Kloster Eberbach im Rheingau. Es war wunderschön und die Musiker großartig. Es waren schließlich alle Profis. Und nach dem gelungenen Auftritt stiegen die Sänger und Musiker mit ihren kostbaren Instrumenten in ihren Bus, der sie rasch ins Hotel - und von dort zum nächsten Auftritt fahren sollte. Musik, das sah ich den Musikern an, kann ganz schön harte Arbeit sein. Das zweite Konzert fand in der bildhübschen kleinen Bergkirche St. Wigbert in Schornsheim statt. Sie fasste gar nicht all die Besucher, die kommen wollten und so mussten die Chöre gleich zweimal hintereinander auftreten. Es war eine tolle Sache - die Nachwuchs-Sängerinnen machten den Anfang, dann sang der Männerchor aus vollem Herzen wunderbare Berg-Lieder. Ihnen folgte der Frauenchor mit Liedern in unterschiedlichen Sprachen. Auch die Sängerinnen waren mit ganzer Seele dabei. Ihre leuchtend smaragdgrünen Accessoires blitzen genauso fröhlich auf wie ihre begeisterten Augen. Nach heftigem Applaus gab's noch Sekt und einen Imbiss vor der Kirche, wir unterhielten uns prächtig und die Sänger waren in Bestlaune. Ihre Freude über das erfolgreich bewältigte Programm färbte auf die Besucher ab. Die fröhliche Runde unter einem Mondhimmel, das war unvergesslich. Die Patronin der Kirchenmusik, die heilige Cäcilia, hat sicher ihre Freude an beiden Konzerten gehabt. Ich natürlich auch. Und wie viel Freude Gesang dem Sänger selbst machen kann - das konnte man in St. Wigbert mit Händen greifen.
Angeblich gibt es in Deutschland über drei Millionen Menschen, die in einem der weit über 60.000 Chöre singen. Ich finde, das ist nicht ein einziger Chor zuviel. Denn es kommt überhaupt nicht darauf an, wie kostbar ein Instrument oder wie berühmt ein Chor ist. Was wirklich zählt ist die Freude an der Musik. Und die stellt sich ein, wo jemand mit ganzem Herzen dabei ist. Vielleicht sogar viel leichter, wenn man damit nicht sein täglich Brot verdienen muss.