Manuskripte

SWR4 Abendgedanken B-W



Frithjof Schwesig

Von Frithjof Schwesig, Ulm, Evangelische Kirche

wie Kinder

Freitag, 21. Oktober 2011     [Druckversion]

Wie ist das mit dem Gottvertrauen? Kann man Gottvertrauen lernen?
Nach meiner Erfahrung: Ja, Gottvertrauen kann man lernen. Ich habe als Kind gelernt, dass zum Beispiel das Beten etwas Wichtiges ist. Denn Gott möchte, dass ich mit ihm spreche. Das Beten haben mir meine Eltern beigebracht. Sie haben mit meinen fünf Geschwistern und mir gebetet abends vor dem Schlafengehen und morgens nach dem Aufstehen. Da habe ich als Kind gespürt: Im Himmel ist jemand, der auf mich Acht gibt. Und dieser Gedanke tat mir gut.
In der Grundschule habe ich eine prima Religionslehrerin gehabt. Sie hat uns viele Geschichten aus der Bibel erzählt. Zum Beispiel wie Jesus den kranken Sohn eines Soldaten wieder gesund gemacht hat. Jesus konnte das, weil der Vater des kranken Jungen ihm vertraut hat. In den Geschichten der Bibel wurde für mich der unsichtbare Gott auf einmal sichtbar als einer, der die Menschen lieb hat. Mit den Geschichten der Bibel habe ich Gottvertrauen gelernt. So kann ich für mich heute sagen: „Gott und ich gehören zusammen. Ich bin ihm wichtig und er ist für mich da."
Gottvertrauen kann man lernen. Aber man kann es auch wieder verlieren. Indem man Augen und Ohren vor Gott verschließt. Oder sein Leben so lebt, dass da für Gott kein Platz bleibt.
Aber auch noch auf andere Weise kann man das Vertrauen in Gott verlieren: Durch Leid, wenn einen ein großer Schmerz so sehr aus der Bahn wirft, dass man nicht mehr weiter weiß und allen Glauben an einen Gott verliert. Was dann?
Jesus selbst war umgetrieben von den sogenannten Fragezeichen des Glaubens, von Fragen wie: „Warum lässt du das zu, Gott?" Oder: „Wo bist du jetzt? Bist du bei mir oder hast du mich verlassen?" Das waren Fragen, die Jesus in seinem Leben sich immer wieder stellen musste.
Aber bei allen diesen Fragezeichen hat er erfahren: Trotz aller Not ist da einer, der zu mir steht. Trotz allem Leid ist da einer, der mich nicht allein lässt. Gott ist da für mich. Unsichtbar zwar und oft schwer zu verstehen - aber er ist da. Darauf kann ich mich verlassen.
Über das Gottvertrauen hat Jesus einmal gesagt: „Werdet wie die Kinder! Sie vertrauen ihren Eltern grenzenlos. Macht es mit Gott genauso. Öffnet euer Herz und schenkt ihm euer Vertrauen. Denn ihr sollt wissen: Zu Gott könnte ihr mit allem kommen, was euch umtreibt. Alles könnt ihr ihm sagen. Er will für euch da sein!"