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Doris Joachim-Storch

Von Doris Joachim-Storch, Frankfurt, Evangelische Kirche

Loblied der Faulheit

Montag, 01. August 2011     [Druckversion]

„Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf", steht in der Bibel. In Psalm 127. Und der singt ein Lied der Faulheit. „Es ist vergeblich, dass ihr früh aufsteht und danach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen." Lasst das mal Gottes Sache sein und vertraut drauf: „Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf." Das klingt schön. Aber vielleicht gehören Sie auch zu denen, die früh aufstehen, danach lange sitzen und sich viele Sorgen machen. Und die alles, nur nicht faul sein wollen. Dabei ist Faulheit wichtig. Sie fördert die seelische Widerstandskraft, die so genannte „Resilienz".
Und es ist tatsächlich so: Manche Probleme lösen sich über Nacht von selbst. Im Schlaf. Vor allem im sogenannten REM-Schlaf. Das ist der Schlaf, bei dem wir träumen und die Augen sich dabei hin- und herbewegen. Im Schlaf vollbringt unser Gehirn die größte geistige Leistung, ohne dass wir was davon mitkriegen. Da arbeitet das Gehirn wie eine „Mülltrennanlage". Der Alltag wird sortiert. Wichtiges vom Unwichtigen getrennt. Und Probleme werden gelöst. Das wussten die Psalmbeter schon vor 2 ½ tausend Jahren! „Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf", Überhaupt erzählt die Bibel von einigen großen Schläfern. Von Elia zum Beispiel. Der ist vor Erschöpfung eingeschlafen. Eine Depression hat ihn umgehauen. „Burn out" würden wir heute sagen. Ein Engel erscheint ihm und stärkt ihn. Allerdings braucht Elia dann drei Anläufe, bis er wieder auf die Füße kommt. Manchmal reicht einmal  schlafen nicht aus.
„Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf."
Aber wo Sie jetzt schon mal wach sind, kann ich Ihnen sagen: Tagträume helfen auch. Sich die Zeit nehmen. Dasitzen und einfach vor sich hingucken. Oder einen Spaziergang machen. Am besten in der Arbeitszeit, so zwischendurch. Arbeitsforscher haben herausgefunden: Unternehmen, die das ihren Mitarbeitern erlauben, sind produktiver. Diese kleinen faulen Auszeiten machen Leute kreativ. Wirklich wahr.
Wenn Ihre Firma das noch nicht erkannt hat, können Sie sich ja andere Zeiten der Faulheit nehmen. Jetzt in der Ferienzeit zum Beispiel. Oder abends: Statt Fernsehen einfach nur dasitzen und da sein. Und Gott die Sorgen überlassen. Der gibt's im Schlaf.

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