SWR4 Abendgedanken B-W

Von Martin Denger, Karlsruhe, Katholische Kirche
Mit Gott unterwegs
Mittwoch, 25. Mai 2011
Zurzeit gibt es wieder eine ARD-Themenwoche. Diesmal steht sie unter dem Thema: Der mobile Mensch. Ich musste da gleich an die Jugendlichen aus unserer Pfarrgemeinde denken: Nach der Schule gehen viele zur Ausbildung oder zum Studium in eine andere Stadt. Dadurch verändert sich auch ihr Glaubensleben: Vorher waren sie bei den Ministranten oder in der Jugendarbeit engagiert - am neuen Ort finden sie oft keinen Anschluss an eine Gemeinde. Wenn wir immer mobiler werden, verändert das auch unsere Beziehung zu Gott. Früher lebten viele Menschen ihr Leben lang mehr oder weniger an einem Ort. Noch meine Großmutter hat ihr Heimatdorf nur alle paar Monate verlassen, große Reisen hat sie nie unternommen. Die Kirche stand in der Mitte des Dorfes, hier fand ihr Glaubensleben statt. Heute macht es die Mobilität möglich, dass ich sehr viele religiöse Angebote kennen lerne. Kirchen, Moscheen, esoterische Veranstaltungen - alles kann ich in kurzer Zeit erreichen. Die Kehrseite kann allerdings sein, dass ich nirgends mehr eine dauerhafte Heimat im Glauben finde. Dass ich darüber auch den Kontakt zu Gott verliere. Brauchen wir einen festen Ort, um an Gott glauben zu können? Oder begleitet uns Gott überall hin? Über diese Fragen wurde zurzeit Jesu heftig gestritten. Der Tempel in Jerusalem war erst vor wenigen Jahren prachtvoll wieder aufgebaut worden. Einige meinten, dass Gott hier auf besondere Weise gegenwärtig ist. Sie sagten: Nur im Tempel kann ich Gott ganz nahe sein. Die ersten Christen sahen das anders: Der Himmel ist der Thron Gottes und die Erde der Schemel für seine Füße. Was für ein Haus könnten Menschen Gott also bauen?
Für mich ist beides von Bedeutung: Zum einen, dass Gott nicht an einen Ort gebunden ist. Egal, wo ich mich befinde: an Gott kann ich mich überall wenden: Als ich zum Beispiel einmal für längere Zeit in Mittelamerika war, fühlte ich mich nicht allein gelassen. Ich kannte zwar keinen Menschen, aber es gab mir Kraft, dass ich mich auch dort auf Gott verlassen konnte. Auf der anderen Seite tut es mir gut, bestimmte Orte zu haben, an denen ich mich Gott besonders nahe fühle. Das kann eine alte kleine Kirche sein oder Menschen aus einer Gemeinde. Der mobile Mensch hat unendlich viele Möglichkeiten. Über das Handy bin ich fast überall gut erreichbar. Die Mobilität verändert unsere Art Beziehungen zu pflegen. Das betrifft auch meine Beziehung zu Gott. Gut zu wissen, dass Gott mitgeht. Dass er ein mobiler Gott ist.

