SWR4 Abendgedanken B-W

Von Martin Denger, Karlsruhe, Katholische Kirche
Faire Schokolade
Montag, 14. Februar 2011
- Genuss mit gutem Gewissen
Neulich hat mir eine Kollegin erzählt, dass sie seit kurzem nicht mehr jede Schokolade isst. Sie hat im Fernsehen eine Dokumentation über die Kakaoernte gesehen. An der Elfenbeinküste zum Beispiel arbeiten Tausende Kinder als Sklaven in den Kakaoplantagen. Meine Kollegin war so schockiert, dass sie jetzt anders einkauft. Statt wie sonst im Supermarkt nur auf den Preis und den Geschmack zu achten, kauft sie jetzt fair gehandelte Produkte. Aber sie sagte gleich dazu: Das ist gar nicht so leicht. Schließlich gibt es nur wenige Geschäfte, die fair gehandelte Schokolade verkaufen. Außerdem ist Schokolade fast überall drin: in Keksen, im Eis und bei vielen anderen Lebensmitteln finden sich zumindest ein paar Schokokrümel. Hier können wir oft beim besten Willen nur kaufen, was es gibt. Manchmal gibt es einfach keine faire Alternative. Mich macht die Vorstellung traurig, dass hinter einem leckeren Schokoriegel so viele bittere Schicksale stehen. Vielleicht hat sich - nur ein paar Wochen vor meinem Einkauf - ein Kind für den Kakao die Gesundheit ruiniert. Ich verstehe ganz einfach nicht, warum es so schwer sein soll, diesen Kindern zu helfen. Solange es keinen großen Protest gibt, tut sich in Wirtschaft und Politik oft über viele Jahre gar nichts. Kinderarbeit auf Kakaoplantagen ist ein Massenphänomen, aber viel gesprochen wird darüber nicht. Da wir in Europa den Kakao nicht selbst anbauen können, müssen wir eben kaufen, was es gibt. So einfach dürfen wir es uns aber nicht machen. Liebe Hörerinnen und Hörer, es führt kein Weg an uns Verbrauchern vorbei. Die Geschäfte und die Politiker werden nur etwas ändern, wenn wir deutlich machen, was wir wollen. Jeder von uns kann zeigen, dass er Kinderarbeit bei der Kakaoernte ablehnt. Meine Kollegin möchte auf Schokolade nicht verzichten. Muss sie ja auch nicht. Aber sie will wissen, was drin steckt und ob es fair zugeht. Ein kleiner Schritt für sie und vorerst auch nur ein kleiner Schritt für die Kinder an der Elfenbeinküste. Aber es ist ein wichtiges Zeichen: Denn wenn viele ihr Verhalten ändern, kommt Bewegung in die Sache. In England zum Beispiel sind Produkte aus fairem Handel viel häufiger in großen Supermärkten zu finden. Dort gibt es mehr Menschen, die jetzt bewusster einkaufen. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht auch bald so weit kommen können. Und wer kein Geschäft mit fairen Produkten in der Nähe hat, findet auch immer mehr Angebote im Internet. Auch wenn wir die Kinder an der Elfenbeinküste nie persönlich kennen lernen: Ich bin sicher, sie werden es uns danken.

